Von Gott und der Welt

Hinter dem Mond

Die Chinesen sind jetzt hinter dem Mond. Erstmals ist es gelungen, eine Sonde auf der dunklen Rückseite des Mondes landen zu lassen. Dort, wo das freie Auge nicht hinsieht, kann auch kein direkter Funkverkehr stattfinden. Das macht die Landung zum technischen Kunststück.

05.01.2019

Es war sicher nicht das Ziel der chinesischen Weltraumforscher, den Dichter Matthias Claudius zu widerlegen. Das gelingt ihnen nebenbei. Im so wunderbar vertonten Gedicht „das Abendlied“ heißt es: „Der Mond ist aufgegangen“, und in der dritten Strophe: „Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn.“

China geht es wohl weniger um die runde Schönheit der dunklen Seite des Mondes, sondern ein wenig um die Forschung und vor allem um den Wettbewerb der technologischen Großmächte. Doch auch da gab der Dichter schon 1779 eine skeptische Antwort: „Wir spinnen Luftgespinste und suchen viele Künste und kommen weiter von dem Ziel.“ Matthias Claudius lebte in den Zeiten der Aufklärung. Alles erklären und verstehen zu wollen, faszinierte ihn und war ihm zugleich auch unheimlich.

Diese beunruhigende Faszination des Fortschritts kennen wir auch heute.

Doch worum geht’s im Leben wirklich? Die Antwort des Dichters am Ende des Gedichts ist bestechend: „Und lass uns ruhig schlafen und unsern kranken Nachbar auch!“

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".