Vom Haubenkoch im Luxusrestaurant zum Küchenchef im Pflegeheim

Hier bekomme ich jeden Tag Lob

Von Claudia Widder

Nur eine Stunde Autofahrt von Wien liegt das kleine Altenwohn--und Pflegeheim in der burgenländischen Ortschaft Gols, nahe dem  Neusiedler See. 47 alte Menschen freuen sich hier täglich von Neuem über Ihren neuen Koch und das kreative, qualitätsvolle Essen, dass sie seit 1. Oktober 2018 genießen.

19.12.2018
Frau Fehér ist für die Süßspeisen im Altenwohn- und Pflegeheim Gols verantwortlich. Foto: Diakonie Österreich
Frau Fehér ist für die Süßspeisen im Altenwohn- und Pflegeheim Gols verantwortlich. Foto: Diakonie Österreich

Csaba Fehér, der nach 29 Jahren Gastronomie sich Heiterkeit und Ruhe bewahrt hat, hat eine lange Reise hinter sich: von seinem ungarischen Heimatdorf übersiedelte er nach zehn Jahren Kochen in Ungarn im Jahre 2000 zum Luxusrestaurant Käfer nach München. 26 Köche arbeiteten hier, zerlegten Hummer, bereiteten Austern zu, und bekochten alles, was Rang und Namen hatte. Vom Demis-Chef arbeitete er sich zum Chef de Partie hoch.

Das nahe Österreich war ein spannendes unbekanntes Terrain. Eine Einladung vom Vorarlberger AMS, die an 150 Gastrofachkräfte ging, garantierte interessante Stellen in der 4* und 5* Hotellerie in Vorarlberg und Tirol. Csaba Fehér folgte der Einladung – mit 30 anderen.

Jetzt ist er wieder Nahe seiner ungarischen Heimatstadt angekommen, und kann, befragt nach einem Gericht aus seinem großen Speisenrepertoire, das hier im Altersheim nicht gegessen wurde, keine negatives Erlebnis nennen. Rindsbackerl, Rehgulasch, Tafelspitz, Karrottencremesuppe mit Ingwer verfeinert, und jeden Tag frisch gebackene Kuchen, von englischen Cupcakes bis zur Wiener Sacher Torte ..

Haubenkoch Csaba Feher verwöhnt seit Oktober 2018 die BewohnerInnen des Altenwohn- und Pflegeheims in Gols. Foto Diakonie Österreich
Haubenkoch Csaba Feher verwöhnt seit Oktober 2018 die BewohnerInnen des Altenwohn- und Pflegeheims in Gols. Foto Diakonie Österreich

Herr Fehér verwirklicht sich in der Menüplanung mit Rücksicht auf die Geschmacksvorlieben einer älteren Generation. Stehen Currys, exotische Risottos, Paellas, Bulgur und Couscous am Menüplan, wird von BewohnerInnen oft das klassische Menü 2 genommen, aber die MitarbeiterInnen genießen die exotischere Wahlmöglichkeit. Seine Frau, die mit ihm in der Küche arbeitet, ist verantwortlich für die Süßspeisen, und die Liebe, die man zwischen beiden spürt, fließt sicherlich auch in die Kuchen mit ein.

Das schönste Erlebnis war, als Herr Fehér, nach zwei Monaten Arbeit in der Küche, zur Mittagszeit das erste Mal den Speiseraum betrat. Viele BewohnerInnen lächelten ihn an und bedankten sich. Standing Ovations sozusagen von Menschen, die teils im Rollstuhl sitzen. Ein Ort der Hoffnung, wo ein Lächeln das schönste Geschenk für einen burgenländisch-ungarischen Haubenkoch ist.

Das Altenwohn- und Pflegeheim Gols der Diakonie im Burgenland ist ein Haus für pflegebedürftige Menschen. Qualifiziertes Fachpersonal sorgt für professionelle Pflege und Betreuung rund um die Uhr. Ein ganz besonderer Stellenwert kommt der Einbeziehung von Angehörigen und ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen zu. Aktivitäten wie Gedächtnis- und Bewegungsübungen, Basteln, Singen, Spiele und Ausflüge gehören zum Alltag, die Haustiere dürfen gerne gefüttert und gestreichelt werden und die Blumenbeete im Garten ermöglichen Aktivitäten im Freien. Jeden Freitag findet eine Andacht (abwechselnd evangelisch und katholisch) in der hauseigenen Kapelle statt.

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Über die Serie #OrtDerHoffnung

Angst, Neid, Wut und Misstrauen sind die Schlüsselbegriffe, die die derzeitigen öffentlichen Debatten regieren. Wir brauchen eine gesellschaftliche Kraftanstrengung, die den Zusammenhalt in den Vordergrund stellt und nicht den Neid und das gegenseitige Ausspielen von ohnehin benachteiligten Gruppen in der Gesellschaft.

Die Arbeit der Diakonie besteht darin, Angst zu nehmen und Hoffnung zu geben; der Abwertung von Menschen entgegen zu treten und ihre Würde zu bewahren. Mit der Social-Media-Serie #OrtDerHoffnung macht die Diakonie auf Menschen und Projekte aufmerksam, die Lebensqualität, sozialen Zusammenhalt und Solidarität fördern und weiterentwickeln.