Von Gott und der Welt

Gefängnislauf

Einem Gefängnis kommt man nicht gern zu nah. Doch nächsten Samstag ist das anders.

22.09.2018
Zwei reichen einander die Hand

Die Justizanstalt Floridsdorf wird zum Austragungsort eines bemerkenswerten Sportereignisses. Seit mehr als zehn Jahren findet dort der evangelische „Gefängnislauf“ statt. Mehr oder weniger sportliche Menschen, von jung bis alt, umrunden das Gefängnis, und jede Runde bringt bares Geld für die Arbeit der Gefangenenseelsorge. Jeder kann sich als Läufer oder Sponsor beteiligen.

Eine harte, lange Haft ist nicht nur für den Verurteilten eine Strafe, sondern vor allem für Angehörige eine ungeheure finanzielle und psychische Belastung.

Frauen und Kinder leiden mit. Ihr Schicksal wird wenig wahrgenommen, obwohl gerade die Angehörigen für die Integration von straffälligen Menschen in die Gesellschaft die Allerwichtigsten sind. Der Gefängnisseelsorger Matthias Geist hat deswegen den Gefängnislauf ins Leben gerufen, um die Familien der Gefangenen zu unterstützen.

„Mit dem Geld helfen wir Familien: Es sind die Angehörigen, die den Großteil der Wiedereingliederung der Strafgefangenen übernehmen“, so Matthias Geist. Eine Haftstrafe darf keinesfalls zur Strafe für die Angehörigen werden.

Dieser Gefängnislauf ist der letzte, den Geist als Gefängnisseelsorger organisiert. Danach tritt er sein Amt als Superintendent der Evangelischen Kirche in Wien an. Er weiß, wo die Not groß ist, und hilft laufend.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".