Erfahrungen aus dem Asylverfahren

Frauenrechte werden erkämpft!

Malia Nawa* ist Ärztin und Frauenrechtsaktivistin aus Afghanistan. Als sie von den Taliban bedroht wird flüchtet sie mit zwei Kindern nach Österreich. Doch ihr Asylantrag wird zunächst negativ entschieden.

28.08.2020
Nach einer gefährlichen Flucht und vielen Hindernissen endlich in Sicherheit. Foto: Nadja Meister/Symbolfoto

Malia Nawa* ist Ärztin aus Afghanistan und arbeitete dort für viele Jahre im Krankenhaus. Als die Taliban die Macht in der Region übernahmen, wurde die Krankenhausleitung massiv bedroht, weil sie Frauen anstellte. Frau Nawa wurde sofort gekündigt.

Doch die Ärztin ließ sich nicht einschüchtern. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren vier Kindern zog sie in eine andere Region Afghanistans, um sich dort ein neues Leben aufzubauen. Sie war glücklich, wieder als Ärztin arbeiten zu können. Über ihre medizinische Tätigkeit hinaus organisierte Frau Nawa Alphabetisierungskurse für junge Frauen. In vielen Gebieten Afghanistans ist es nach wie vor üblich, dass Mädchen sehr jung zwangsverheiratet werden. Auch dagegen machte sie sich stark. Doch ihr mutiger Einsatz für die Rechte von Frauen und Mädchen brachte Frau Nawa erneut in Lebensgefahr. Auch ihren Kindern wurde Gewalt angedroht. Als die Gefahr zu groß wurde, entschied sich Frau Nawa zur Flucht. Ihren Mann und ihre beiden größeren Kinder musste sie in Afghanistan zurücklassen, weil die Ersparnisse nicht ausreichten.

In Österreich angekommen

Heute lebt Frau Nawa mit ihren beiden jüngeren Kindern in Österreich. Sie hat schnell Deutsch gelernt. Sie träumt davon, wieder als Ärztin arbeiten zu können. Ihre beiden Kinder gehen gerne zur Schule. Die elfjährige Amina ist leidenschaftliche Turnerin, spricht ausgezeichnet Deutsch und möchte Lehrerin werden. Doch als die Familie vom Bundesverwaltungsgericht einvernommen und ihr Asylantrag geprüft wurde, folgte ein entsetzlicher Schock:

Der Asylantrag wurde in erster Instanz abgelehnt. Trotz der drohenden Gefahr sollten Frau Nawa und ihre Kinder abgeschoben werden. Frau Nawa suchte daraufhin eine Rechtsberatungsstelle des Diakonie Flüchtlingsdienstes auf. Ihr Rechtsberater kannte die Lage in Afghanistan und legte die frauenspezifischen Fluchtgründe in einer umfangreichen Beschwerde dar. Der Berater begleitete die verängstigte Familie auch persönlich zum Verhandlungstermin am Bundesverwaltungsgericht.

Der rechtswidrige Bescheid wird aufgehoben!

Das Bundesverwaltungsgericht erkannte die Asylgründe an und hob das rechtswidrige Urteil auf. Frau Nawa, die sich jahrelang für Menschenrechte und Chancengleichheit stark machte, konnte am Ende ihr Menschenrecht auf ein faires Asylverfahren durchsetzen!

Rechte von geflüchteten Frauen werden nicht ausgeübt – sie werden erkämpft!
Gerhild Salzer, Fachbereichsleiterin der Rechtsberatung im Diakonie Flüchtlingsdienst.

Die Verstaatlichung der Rechtsberatung im Asylverfahren, die mit 1. Jänner 2021 in Kraft tritt, birgt immense Risiken für den Rechtsschutz von geflüchteten Menschen. Da frauenspezifische Fluchtgründe in erster Instanz häufig nicht anerkannt werden, sind die Rechte von geflüchteten Frauen besonders bedroht!

„Frauen brauchen speziell geschulte RechtsberaterInnen an ihrer Seite, die sich in ihrem Herkunftsland sehr gut auskennen. Die Rechtsberatung muss unabhängig sein, weil sie nur dann parteilich arbeiten kann, also ausschließlich die Interessen der Frauen vertritt. Ohne diese laufen wir Gefahr, dass Frauen nicht den Schutz erhalten, der ihnen zusteht und den sie so dringend brauchen“, erklärt Gerhild Salzer, Fachbereichsleiterin der Rechtsberatung im Diakonie Flüchtlingsdienst.

Frauen. Rechte. Sichern.

Um geflüchteten Frauen zu ihrem Recht zu verhelfen und vor einer Abschiebung in Verfolgung, Folter und Tod zu bewahren, braucht es unabhängige Rechtsberatung. Damit der Diakonie Flüchtlingsdienst diese weiterhin dauerhaft anbieten kann, werden dringend Spenden benötigt. Mit 50,- Euro ermöglichen Sie Frauen wie Malia Nawa eine Beratungseinheit. Mit einer Spende von 450,- Euro decken Sie die Kosten, um eine geflüchtete Person oder Familie vor dem Bundesverwaltungsgerichtshof zu vertreten.

Weitere Infos unter: www.frauen-rechte-sichern.at

*Der Name wurde geändert

Frauen.Rechte.Sichern.

Frauen* haben oft spezifische Gründe, aus ihrer Heimat zu fliehen. Vor Gericht werden geschlechter-spezifische Fluchtgründe im Asylverfahren oft nicht anerkannt. Das Frauen*Volksbegehren und der Diakonie Flüchtlingsdienst machen in einer gemeinsamen Initiative auf dieses Problem aufmerksam.