Frühförderung

"Franka war bei uns von Anfang an willkommen"

Wie ist es, zu akzeptieren, dass nach der Geburt eines Kindes alles anders läuft als geplant? Ein Kind mit Behinderung kann das Leben anfangs gehörig durcheinanderbringen. Aber auch auf das Wesentliche zurückführen.

04.02.2020
Franka mit ihrer Therapeutin.
Franka mit ihrer Therapeutin (Foto: Florian Hoflehner).

Die Geburt eines Kindes bedeutet einen Einschnitt im Leben jedes Paares. Wenn aber nach der Geburt alles anders läuft als geplant, müssen viele Eltern ihren ursprünglichen Plan neu überdenken und von Wunschbildern Abstand nehmen. Auch Sigrid Winkler* kennt diesen Raum, der sich plötzlich auftut zwischen Wunsch und Wirklichkeit. "Mit einem Schlag war alles anders", erzählt Winkler, Mutter von Franka, einem Mädchen mit Down-Syndrom. 

Die Diagnose erfolgte nicht sofort. Franka war eine normale Geburt. Unmittelbar danach nahm man der frisch gebackenen Mutter das Kind für erste Untersuchungen ab, schließlich fragte sie ein Arzt ob Sie mit der Diagnose Down-Syndrom etwas anfangen könne. Sigrid Winkler wusste als Behindertenpädagogin Bescheid. Sie kennt die damit verbundenen Herausforderungen, die das Leben mit sich bringt. "Weil es keinen Unterschied gemacht hätte" hat sich Winkler während der Schwangerschaft gegen eine Pränatale Diagnostik entschieden. Ein Abbruch wäre nicht in Frage gekommen. So oder so. Das war mit ihrem Partner abgesprochen.

Tausend Fragen

Die nächsten Tage verliefen für das Paar wie in Trance. Winkler bekam ein eigenes Zimmer und vor allem viel Verständnis seitens der MitarbeiterInnen. "In dieser Zeit haben wir natürlich viel geweint, wir mussten uns auf die neue Situation einstellen", erinnert sich die Oberösterreicherin heute. Bei Down-Syndrom, oder auch "Triosomie 21" liegt das Chromosom 21 bei jeder Körperzelle dreifach – statt zweifach – vor. Die frisch gebackene Mutter wusste als Behindertenpädagogin vieles über diese Behinderung, dass sich die frühe Förderung im Erwachsenenalter bezahlt macht, kannte sie aus Ihrer Arbeit. Nun aber selbst davon betroffen, ergaben sich tausend Fragen. Welche sind die ersten und wichtigsten Schritte?

Auch bei Madeleine Herger wandelte die Geburt ihres Sohnes Matthias das gesamte Familienleben von Grund auf. Anfangs ein ganz normaler Junge, entwickelte Matthias mit drei Monaten plötzlich eine körperliche Schieflage, er war in permanenter schulmedizinischer Begleitung. Heute steht fest: Matthias leidet am seltenen Leigh-Syndrom, einer unheilbaren degenerativen Erkrankung. "Uns hat es den Boden unter den Füßen weggezogen" meint Madeleine Herger. Jede Infektion kann den Körper des Kleinen lebensbedrohlich schwächen. Zirkus, Rummelplatz, generell Ansammlungen von Menschen muss die Familie seither meiden. Zu groß ist die Gefahr einer Ansteckung. Sein drei Jahre jüngerer Bruder ist ihm eine große Stütze, auch er hat gelernt, seine Wünsche zurückzustellen. Heute versucht die gesamte Familie ein halbwegs normales Leben zu gestalten. Mit intensiver therapeutischer Unterstützung seitens des Therapiezentrums am Linzerberg in Gallneukirchen.

"Im Prinzip lernen sie alles, es dauert nur länger"

Nach der anfänglichen Unsicherheit, blickte die Familie von Franka wieder nach vorne. Die Frühförderin kam zu ihnen nach Hause, und nach und nach erkannte Winkler, dass sie diese erste gemeinsame Zeit genießen konnte, wie eben bei jedem anderem Baby auch. Sogar noch mehr: "Im Prinzip lernen sie alles, es dauert nur länger"

Ihr sonniges Gemüt und Ihr Ehrgeiz waren Franka dabei hilfreich. Derzeit arbeitet das Team von Therapeutinnen gerade daran, Franka für die Schule vorzubereiten. Feinmotorik, Sprachentwicklung – einige Therapeutinnen, Pädagogen und Ärzte haben Franka bis hierher über alle Höhen und Tiefen begleitet. Die Chancen stehen für Franka gut, dass sie einen guten integrativen Platz in der Schule bekommt.

* Name von der Redaktion geändert

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