Interview mit einem ehemaligen Bewohner

Flüchtlingscamp Moria: Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal

Die Lebenssituation der Menschen im Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist katastrophal. Omid lebte von November 2019 bis Mai 2020 dort. Er erzählt.

20.06.2020
Omid hat im Flüchtlingscamp Moria gelebt (Foto: Diakonie Katastrophenhilfe)

Die Lebenssituation der Menschen im Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist katastrophal. Omid kam nach seiner Flucht aus Afghanistan in das Camp in Moria. Bis Mai 2020 lebte er dort und leitet jetzt das Moria Corona Awareness Team (MCAT), eine Selbsthilfegruppe von Camp-Bewohnern, die Aufklärungsarbeit zu Covid-19 leistet. Im Interview mit der Diakonie Katastrophenhilfe beschreibt Omid die Lebensbedingungen im Camp.

Wie ist die Lebenssituation im Lager auf Moria, wie sind die Menschen untergebracht?

Die Unterbringungssituation ist völlig desorganisiert, es gibt keinen Lebensstandard. Von 18.000 Flüchtlingen im Camp leben rund 80 Prozent in selbstgebauten Zelten inmitten der Olivenhaine. Auf zwei bis vier Quadratmetern leben 6 bis 7 Personen miteinander.

Wie sieht es mit Wasserversorgung, Elektrizität und sanitären Einrichtungen aus?

Toiletten, Dusch- und Waschvorrichtungen gibt es nur im Zentrum des Camps, wo nur 20 Prozent der Bewohner, die sogenannten Hauptbewohner des Camps, leben. Die Wasserversorgung ist begrenzt auf wenige Stunden pro Tag. Elektrizität steht auch nur in diesem Teil des Camps zur Verfügung.  Die 80 Prozent der Bewohner, die in den improvisierten Behausungen in den Olivenhainen wohnen, leben ohne Wasser, ohne Elektrizität, ohne sanitäre Einrichtungen und ohne Sicherheit.  Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal.

Die hygienischen Zustände im Camp Moria sind katastrophal (Foto: MCAT)
Die hygienischen Zustände im Camp Moria sind katastrophal (Foto: MCAT)

Welche Auswirkungen hat diese Lebenssituation auf das Alltagsleben im Camp?

Die schlechten Lebensbedingungen üben großen Druck auf die Bewohner des Camps aus. Die meisten Menschen werden krank, auch die Kinder. Es gibt keine medizinische Versorgung. Die Situation fördert ein Klima der Gewalt unter den Flüchtlingen, es kommt zu Verletzungen und Morden.

Wie hat sich das Leben seit der Corona Pandemie verändert?

Es ist Lockdown – und in der herrschenden Sommerhitze gibt es nicht genügend Wasser- und Kühlmöglichkeiten. Aktuell gibt es noch keinen bestätigten Corona-Fall unter den Bewohnern des Camp Moria. Die Pandemie erzeugt aber große Angst unter den Bewohnern. Es ist unmöglich, Präventionsmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus zu ergreifen. Handwascheinrichtungen fehlen, Hygienemaßnahmen und soziale Distanz können nicht umgesetzt werden.

So hilft die Diakonie

Kein Essen, kein fließendes Wasser, keine Seife – der neuartige Corona-VirusSars-CoV-2 breitet sich gerade in armutsbetroffenen Ländern am stärksten aus.

Die Diakonie Katastrophenhilfe hat deshalb den Hilfsfonds "Coronahilfe weltweit" eingerichtet, um zusammen mit lokalen Partnern rasch helfen zu können.

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