Von Gott und der Welt

Essen in der Kirche

Das Frühstück für Träger von Collarhemden besteht aus zwei Würstchen, Speck, einem weichen Ei, Toast und wahlweise Kaffee oder Tee. Das Frühstück für die kleinen Mönche gibt sich bescheidener. Beides wird im Church Restaurant in Skibbereen in Irland serviert.

11.08.2018
Frühstücksangebot in der ehemaligen Kirche, Irland 2018

Das Restaurant nennt sich nicht nur Kirche, es sieht auch wie eine aus und war bis vor wenigen Jahren eine Kirche. Man speist unter der Kanzel aus Eiche hinter bunten Kirchenfenstern.

Wer im Nachbarort Clonakilty die Post sucht, der findet sie in der ehemaligen protestantischen Kirche. Erbaut wurde sie noch zu Zeiten der englischen Herrschaft, im unabhängigen, katholischen Irland gingen ihr die Gläubigen aus. Die kleine verbliebene Gemeinde konnte sich den Erhalt des Gebäudes nicht mehr leisten.

Das Kirchenrestaurant ist gemütlich, das Postamt erfüllt seinen Zweck.

Die Abbruchbirne ist den beiden Kirchen jedenfalls erspart geblieben.

Trotzdem beschleicht einen ein mulmiges Gefühl des Niedergangs. Verkörpern Kirchen doch schon durch ihren Bau, den Anspruch auf die Ewigkeit. Zum anderen geschieht Kirche dort, wo sich Menschen versammeln und die Gebäude haben keinen Zweck an sich.

Die Abbruchbirne ist den beiden Kirchen jedenfalls erspart geblieben. In der einen Kirche essen, trinken und feiern nun Menschen miteinander, und in der anderen werden Botschaften in die weite Welt verschickt.

Auf fast schon ironische Weise bleiben die beiden ehrwürdigen Gebäude ihrer Sendung treu.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".