Dagmar & Marlene Zarembach im Interview

Es ist das große Ganze, das uns begeistert.

Wenn die Liebe zum Sozialberuf von der Mutter auf die Tochter überspringt.

06.03.2020
Dagmar als Fachsozialbetreuerin für Altenarbeit im Haus für Senioren Wels und ihre Tochter Marlene als Auszubildende der SOB Altenarbeit Gallneukirchen auch im selben Haus.
Dagmar als Fachsozialbetreuerin für Altenarbeit im Haus für Senioren Wels und ihre Tochter Marlene als Auszubildende der SOB Altenarbeit Gallneukirchen auch im selben Haus.

WELCHE AUSBILDUNG HABT IHR BEIDE ABSOLVIERT?

DAGMAR: Ich hatte während der Karenzzeit im Jahr 1994 geringfügig im evangelischen Altersheim (heute: 'Haus für Senioren' Wels) zu arbeiten begonnen. So lernte ich das Haus kennen. Für mich war schon nach kurzer Zeit klar, dass ich nicht mehr in meinen alten Beruf als gelernte Bürokauffrau zurückkehren mag. Ich wollte unbedingt mehr mit Menschen arbeiten

MARLENE: Nach drei Jahren HBLW in Wels (Büro- & Restaurantfachfrau) war mir klar, dass mich diese Berufssparte nicht interessiert. Ich habe danach noch acht Monate im Einzelhandel gearbeitet, war aber einfach nicht glücklich. Meine Mutter hat mir dann vom Sozialen Jahr berichtet. Sie meinte, ich könnte in diesem Jahr schauen, ob eventuell der Sozialberuf für mich etwas wäre. Ich begann dann im  'Haus für Senioren' Wels, wo meine Mutter arbeitet. Anfangs hatte ich noch Berührungsängste  – diese sind aber schnell verflogen und mir fiel meine Begabung im Umgang mit alten Menschen auf. Ich habe dann die SOB für Altenarbeit in Gallneukirchen begonnen und bin nun im 2. Jahr und da die Ausbildung sehr Praxisnahe ist, absolviere ich mein Praktikum wieder im Haus für Senioren Wels.

WAS BEGEISTERT EUCH AN EUREM BERUF?

DAGMAR: Für mich ist diese Arbeit wie meine zweite Familie. Es ist das 'große Ganze', das mich begeistert. Das Konzept der Hausgemeinschaft ist das Beste, das in den letzten Jahren im Bereich Seniorenarbeit umgesetzt wurde.

MARLENE: Diese Tätigkeit bringt genau den Sinn und die Abwechslung mit sich, wonach ich immer gesucht habe. Und wie meine Mama sagt, es ist das 'große Ganze‘ – man lebt, lacht und weint zusammen, tut etwas Gutes und das ist das, was einen verbindet.

WIE DÜRFEN WIR UNS EUREN JOB VORSTELLEN?

DAGMAR: In der Früh komme ich in die Hausgemeinschaft, mache Frühstück und schaue, wer von den zehn bis zwölf Bewohnern schon munter ist. Dann kann ich ihnen bei der Körperpflege behilflich sein – manchen mehr, manchen weniger. Anschließend beginnt der Alltag. Wir kochen gemeinsam, wir spielen und singen, lachen und weinen, wir leben gemeinsam. Der ganze familiäre Charakter mit allen Höhen und Tiefen fasziniert mich. Mittlerweile wohnen schon immer mehr Menschen mit Demenz bei uns. Das ist sicherlich die größte Herausforderung, aber für mich trotzdem eine der schönsten. Da Validation in unserem Haus einen hohen Stellenwert besitzt und wir laufend Fortbildungen zu diesem Thema haben, sind wir gut geschult. In unserem Team bin ich für die äußerst spannende Biografiearbeit zuständig. Jeder einzelne Bewohner hat seine eigene Geschichte und ich kann dadurch auch einiges lernen.

MARLENE: Ich besuche die SOB in Gallneukirchen in der Tagesform. Was mir so gefällt ist, dass die Ausbildung nicht nur aus Theorie besteht, sondern wir mehr als 1.200 Praxisstunden in den zwei Jahren absolvieren. Das klingt viel, aber es ist so unheimlich wichtig, um hineinzuwachsen, das Gelernte umzusetzen und auch in Gemeinschaft, den Arbeitsalltag zu erleben. Als Praktikantin bin ich Teil des Teams im Haus für Senioren, ich bin einer Praxisanleiterin zugeteilt und lebe den Alltag im Haus mit, wie jeder andere Mitarbeitende auch. Ich bekomme viel Freiraum bei der Begleitung und der Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner zugesprochen  – was ich als sehr wertschätzend empfinde.

WELCHE HERAUSFORDERUNGEN GIBT ES?

DAGMAR: Als erste Herausforderung möchte ich nennen, dass die Branche unter Nachwuchs- bzw. generell unter Personalmangel leidet. Es braucht eine Stärkung des Images dieses Berufes. Die zweitgrößte Herausforderung sind Menschen mit Demenz, die einen auf Trab halten. Einer möchte „nach Hause“, andere müssen dringend etwas erzählen, der nächste muss zur Toilette. In solchen Situationen muss ich in mich gehen, kurz Durchschnaufen und step by step alles der Reihe nach erledigen. Das kenne ich allerdings auch von meinem Job als dreifache Mutter nur zu gut. Mein Motto daher: Alles wird gut!

MARLENE: Jeder Tag ist anders. Man muss flexibel sein und sich auf jede Person individuell einstellen. Das kann für junge Menschen eine Herausforderung sein. Auch einen Weg der Kommunikation zu finden, ist oftmals nicht ganz einfach.

WEM WÜRDEST DU ANS HERZ LEGEN, DIESEN BERUF ZU WÄHLEN?

DAGMAR: Jeder, der sich berufen fühlt, und empathisch genug ist. Es ist ein Beruf, der einem viel abverlangt, man bekommt aber so viel zurück.

MARLENE: Jedem, der gerne in Kontakt mit Menschen ist. Keine Berührungsängste mit älteren Menschen hat und sie dabei unterstützen möchte, ihren Alltag so schön wie möglich zu gestalten.

MACHT ES EUCH AUCH EIN STÜCKWEIT STOLZ GEMEINSAM ZU ARBEITEN?

DAGMAR: Ich freue mich sehr, dass sie diesen Weg gewählt hat. Ich hätte sie aber auch bei einem anderen unterstützt, bin aber froh, dass sie so glücklich ist damit. Und wenn ich ihr im Umgang mit älteren Menschen zusehe, bin ich einfach nur dankbar, zu welch‘ wunderbarem Menschen sie sich entwickelt hat.

MARLENE: Mama ist mir ein großes Vorbild. Und manchmal höre ich Komplimente bezüglich einer Ähnlichkeit zu ihr – das freut mich dann ganz besonders.

WIE SIEHT ES MIT RATSCHLÄGEN AUS?

DAGMAR: Wenn sie mich fragt, gebe ich natürlich welche. Sie ist aber eine eigenständige Person und wird ihre eigenen Erfahrungen machen (müssen).

MARLENE: Sie drängt mir ihr Wissen nicht auf, sondern ermutigt mich, eigenes Wissen zu erlangen. Und das ist gut so.

WAS MÖCHTEST DU ALLEN JUNGEN FRAU UND MÄNNERN MITGEBEN, DIE SICH FÜR DIESEN BERUF ENTSCHEIDEN (MÖCHTEN/WERDEN)?

DAGMAR: Macht das! Es ist ein wunderbarer schöner wenn auch manchmal etwas anstrengender Beruf. Aber ihr seid Sinnstifter und die Ausbildung hilft auch zu eurer inneren Weiterentwicklung. Ich bin durch diesen Beruf während der vergangenen 25 Jahre sehr geprägt worden und konnte dadurch innerlich an Stärke gewinnen. Ich würde mich jederzeit wieder für diesen Beruf entscheiden.

MARLENE: Dieser Beruf hat Zukunft und stellt finanzielle Sicherheit dar. Wenn ihr gerne mit Menschen arbeitet, dann macht es! Vorher aber unbedingt in den Beruf hineinschnuppern, um die Möglichkeiten, die es im Sozialberuf gibt kennen zu lernen und auch seine Talente einschätzen zu lernen.

 

 

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