Von Gott und der Welt

Erntedank

Morgen Sonntag wird in den meisten Kirchen in Österreich das Erntedankfest gefeiert.

06.10.2018
Erntedank

Morgen Sonntag wird in den meisten Kirchen in Österreich das Erntedankfest gefeiert. In den ländlichen Gegenden ist der Sinn des Festes noch handgreiflich sichtbar. Da wird der Altar mit den Früchten des Feldes geschmückt und eine Erntekrone ziert die Kirche. Wer in der Landwirtschaft arbeitet weiß, dass eine reiche Ernte nicht allein von Fleiß des Landwirts abhängt und dass guten Jahren auch schlechte Jahre folgen können. Deshalb folgt dem Dank auch die Verantwortung für die, die es in diesem Jahr nicht so gut getroffen haben. Die Gaben werden den Armen gegeben.

Im urbanen Leben ist dieser Zusammenhang nicht mehr so klar ersichtlich. „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied!“, heißt es. Es kommt auf die Leistung an! Selbstoptimierung ist in Mode.

Niemand lebt allein durch sich.

Im Psalm 139 findet sich hingegen, die einfachste Form Danke zu sagen. Erntedank für’s Ich. „Ich danke dir dafür, dass ich so wunderbar erschaffen bin!“, heißt es dort. Das ist der Dank für das Leben als Geschenk. Niemand lebt allein durch sich. Dieses Geschenk bringt aber auch eine große Verantwortung mit sich: Wenn Gott mich so wunderbar geschaffen hat, dann will ich auch alles tun, um mein Leben so zu leben, dass meine Gaben zur Geltung kommen.

Und wir glauben ja, dass jeder Mensch eine Gabe, eine Begabung hat. Das kann Kreativität sein oder Kraft, Intelligenz oder Liebesfähigkeit. Vor Gott ist jeder Mensch gleich viel wert. Alle sind einzigartig.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".