Von Gott und der Welt

Erinnern

Professor Rudolf Gelbard ist tot. Viele trauern um einen Freund und liebenswerten Menschen.

27.10.2018

Österreich trauert um einen Zeitzeugen, einen Aufklärer, der die Erinnerung an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte wachgehalten hat – in einer Weise, die Hoffnung geben konnte, dass das Böse überwindbar ist und der Wille zur Menschlichkeit stärker ist als all der Wille zu Macht und Vernichtung. Unzählige Generationen von Schülerinnen und Schülern verdanken ihm und anderen Zeitzeugen, die bereit waren, in den Schulen über den Holocaust zu erzählen, berührende Stunden und prägende Einsichten.

Die Generation der Zeitzeugen verabschiedet sich. Doch Erinnerung tut not.

Bischof Michael Bünker forderte anlässlich des Reformationsempfangs der Evangelischen Kirchen eine gemeinsame europäische Erinnerungskultur. „Wenn Europa mehr sein soll als eine große Freihandelszone mit gemeinsam gesicherter Außengrenze, dann braucht es den Kampf um die europäische Erinnerung.“ Wenn wir davon sprechen, dass Europa eine Seele braucht, dann müssen wir uns daran erinnern, dass die Seele auch Schaden nehmen kann, ja in den mörderischen Konzentrationslagern der Nationalsozialisten verloschen ist.

Deshalb braucht es die Erinnerung, deshalb dürfen die Erzählungen von Rudi Gelbard, Rosa Jochmann oder Paul Grünberg auch nach ihrem Tod nicht vergessen werden, um unser aller Seele willen.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".