Gesundheitsstation im jordannischen Flüchtlingscamp

Ein Caravan der Hoffnung

Etwa 50 Kilometer südlich der syrischen Grenze erhebt sich am Horizont eine kilometerlange, weiße Containerstadt im rötlichen Sand: Das jordanische Flüchtlingscamp Azraq. Hier leben mehr als 40.000 syrische SyrerInnen, 60% davon sind Kinder. Inmitten der Containerstadt hat die Diakonie Katastrophenhilfe ein kleines Gesundheitszentrum für Menschen mit Hör- und Sehbehinderungen eröffnet.

08.12.2018
  • Projektkoordinatorin Afnan Loqman arbeitet seit 2016 für die lokale Partnerorganisation IOCC. Foto: Mayr/Diakonie Katastrophenhilfe Österreich
    Projektkoordinatorin Afnan Loqman arbeitet seit 2016 für die lokale Partnerorganisation IOCC. Foto: Mayr/Diakonie Katastrophenhilfe Österreich
  • In Azraq leben derzeit 40.000 syrische Flüchtlinge. Foto: Mayr/Diakonie Katastrophenhilfe Österreich
    In Azraq leben derzeit 40.000 syrische Flüchtlinge. Foto: Mayr/Diakonie Katastrophenhilfe Österreich

Bericht von Teresa Mayr, Diakonie Katastrophenhilfe

Das Camp ist in vier sogenannte „Dörfer“ eingeteilt: In einem davon steht der Caravan von IOCC (International Orthodox Christian Charities), der lokalen Partnerorganisation der Diakonie Katastrophenhilfe in Jordanien. Die Zuständigkeiten der zahlreichen Hilfsorganisationen im Camp sind genau abgestimmt. „Wir sind der erste Ansprechpartner im Camp für Menschen mit Behinderungen. In unserem Caravan machen wir Hör- und Sehdiagnosen und stellen Brillen und Hörgeräte für bedürftige Bewohner*innen zur Verfügung.

Außerdem sind wir in der Bewusstseinsbildung rund um das Thema Behinderungen im Camp aktiv – und seit kurzem bieten wir auch Freizeitaktivitäten an, an denen Menschen mit und ohne Behinderungen teilnehmen können,“ erklärt IOCC-Projektleiterin Afnan Loqman.

Bunte Kunstwerke gegen den tristen Alltag

Als wir am frühen Montagnachmittag den Caravan von IOCC besuchten, fand gerade ein „Paper Quilling“-Workshop statt.

17 Frauen und Kinder saßen um den schmalen Tisch und arbeiteten fokussiert an ihren farbenprächtigen Kunstwerken aus Papier. Dazwischen wurde Kaffee getrunken, genascht und gelacht.

Die Bastelarbeit war eine willkommene Abwechslung im eintönigen Camp-Alltag: „Es sollte mehr von diesen Workshops und Aktivitäten geben!“ so der einhellige Tenor der TeilnehmerInnen.

  • Freizeitaktivitäten für Menschen mit und ohne Behinderungen im Flüchtlingscamp Azraq. Foto Mayr/Diakonie Katastrophenhilfe Österreich
    Freizeitaktivitäten für Menschen mit und ohne Behinderungen im Flüchtlingscamp Azraq. Foto Mayr/Diakonie Katastrophenhilfe Österreich
  • Freizeitaktivitäten für Menschen mit und ohne Behinderungen im Flüchtlingscamp Azraq. Foto Mayr/Diakonie Katastrophenhilfe Österreich
    Freizeitaktivitäten für Menschen mit und ohne Behinderungen im Flüchtlingscamp Azraq. Foto Mayr/Diakonie Katastrophenhilfe Österreich
  • Die BewohnerInnen des Azraq Flüchtlingscamps präsentieren stolz ihre Kunstwerke aus dem Paper Quilling Workshop. Foto: Mayr/Diakonie Katastrophenhilfe Österreich
    Die BewohnerInnen des Azraq Flüchtlingscamps präsentieren stolz ihre Kunstwerke aus dem Paper Quilling Workshop. Foto: Mayr/Diakonie Katastrophenhilfe Österreich
  • Ein Ort der Hoffnung: Das Gesundheitszentrum des IOCC im Flüchtlingscamp Azraq. Foto Mayr/Diakonie Katastrophenhilfe Österreich
    Ein Ort der Hoffnung: Das Gesundheitszentrum des IOCC im Flüchtlingscamp Azraq. Foto Mayr/Diakonie Katastrophenhilfe Österreich

„Das Leben in Azraq unterscheidet sich stark vom Leben von Flüchtlingen in jordanischen Gastgemeinden,“ sagt Afnan, die die schwierigen Bedingungen der Camp-Bewohner*innen kennt: „Abgesehen von der Freiwilligenarbeit, die manche Hilfsorganisationen anbieten und mit 1 bis 1,5 Jordanischen Dinar pro Stunde entlohnen, gibt es kaum Beschäftigungsmöglichkeiten.

Der Transport nach Amman kostet 15-20 Jordanische Dinar. Somit verbringen die meisten Menschen den ganzen Tag in ihren Unterkünften - das macht sie gestresst und enttäuscht.“

Ein Ort der Hoffnung inmitten der Not

Nach dem Workshop durften sich die TeilnehmerInnen die Bastelmaterialien mit nach Hause nehmen. Tags darauf tummelten sich immer wieder Frauen und Kinder rund um den Caravan von IOCC, um ihre Kunstwerke zu zeigen.

Am 3. Dezember, dem Internationalen Tag für Menschen mit Behinderungen, wurden die Bilder in einem der IOCC Caravans ausgestellt.

IOCC-Mitarbeiterin Afnan freute sich darüber: „Das zeigt mir, dass wir auch mit kleinen Mitteln das Leben der Menschen ein bisschen leichter machen können. Einmal kam eine Mutter mit einer Hörbeeinträchtigung zu uns. Sie war verzweifelt, weil sie nicht hörte, wenn ihr Baby nachts zu weinen begann. Eines unserer kleinen Hörgeräte hat ihr Leben nachhaltig verbessert.

All diese Erfahrungen geben mir Hoffnung, und motivieren mich, um weiterzumachen!“

Vorsorge für den Winter

Der Wintereinbruch in Jordanien steht bevor. Viele Haushalte von syrischen Flüchtlingen in den Gastgemeinden sind nicht auf die eisigen Temperaturen und Schneefälle vorbereitet. Die unzureichende Wohnsituation fordert jedes Jahr Menschenleben. 

Mit Ihrer Spende können Sie syrischen Flüchtlingsfamilien über den Winter helfen!