Von Gott und der Welt

Ein Armutszeugnis

Morgen leuchten Kinderaugen und die Erwachsener ebenso. Wenn die erste Kerze am Adventkranz brennt, dann wissen wir, es geht auf Weihnachten zu, auf das Fest der Geburt des Kindes und der Heiligen Familie.

01.12.2018
großer Adventkranz mit 24 Kerzen vor dem Wiener Rathaus

Genau zu Beginn der Adventszeit legt die Bundesregierung ein Paket vor, das nach einhelliger Meinung aller Kirchen und von Caritas und Diakonie in Österreich Familien in Armut noch ärmer machen wird.

„Es darf nicht egal sein, wie viele Menschen von einem Einkommen leben müssen“, sagt der Obmann des Katholischen Familienverbandes Alfred Trendl. Man hab in den vergangenen Jahren stets die steuerliche Berücksichtigung von Kindern gefordert. „Das muss auch für Mindestsicherungsbezieher gelten“, kritisiert Trendl die geplante Deckelung für Mehrkindfamilien, gleich ob AlleinverdienerInnen oder AlleinerzieherInnen. Schon 1953 hat Kardinal Franz König gesagt: „Eine Gesellschaft, in der die Familien Gefahr laufen, unter die Armutsgrenze zu rutschen, stellt sich selbst ein Armutszeugnis aus.“ Wenn Kinder in Familien, die mehr als 2 Kinder haben, von 1,43 Euro pro Tag leben sollen, dann rutschen sie zwangsläufig in bittere Armut.

Auch wer sein Herz nicht spürt, sollte aus Vernunft umdenken.

Die Bundesregierung mag meinen, dass die Kirchen der Vergangenheit angehören und man deshalb ihre Warnungen in den Wind schlagen kann. Die Kinder allerdings sind unsere Zukunft, ob man will oder nicht. Auch wer sein Herz nicht spürt, sollte aus Vernunft umdenken.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".