Von Gott und der Welt

Die Lust an der Liebe

Liebe Deinen Nächsten! So steht es in der Bibel und das ist richtig und wichtig. Kann aber auch schwierig sein.

08.09.2018
Frauendemonstration (Foto pixabay)

Was, wenn mir der Nächste so richtig unsympathisch ist? Was, wenn ich mich gerade selber gerade nicht stark genug fühle zu lieben und zu helfen? Nächstenliebe als Appel, vielleicht noch im Befehlston ausgesprochen, kann leicht auf taube Ohren stoßen.

Im Johannesbrief im Neuen Testament findet sich ein anderer Akzent. Dort steht: „Ihr Lieben, wenn Gott uns so geliebt hat, sind auch wir einander verpflichtet zu lieben.“ Die Erfahrung selbst geliebt worden zu sein, sie kommt zuerst, daraus folgt die Lust selbst zu lieben, emphatisch zu sein und solidarisch.

In der Blüte unserer Jahre, wenn die Kraft am größten ist, kann man leicht darauf vergessen, wie sehr man selbst der Hilfe, der Liebe und Unterstützung bedarf.

Die Fähigkeit zur Mitmenschlichkeit ist dem Menschen angeboren. Vom Geburt bis zum Sterben sind wir auf Hilfe angewiesen. In der Blüte unserer Jahre, wenn die Kraft am größten ist, kann man leicht darauf vergessen, wie sehr man selbst der Hilfe, der Liebe und Unterstützung bedarf. Doch staunen sollten wir immer können, über die Güte und Schönheit der Welt, trotz aller Verwundungen, die das Leben schlägt.

„Liebe Deinen Nächsten“ ist kein Befehl sondern eine Ermunterung, eine Einladung, das was wir an Liebe geschenkt bekommen weiter zu geben, mitzubauen an einer Welt in der keiner allein gelassen wird, daran mitzuarbeiten, dass die Welt schöner wird, noch schöner als sie es ohnehin schon ist, wenn man genau hinschaut.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".