#TeamHoffnungsträger

"Die Innigkeit, die behalten wir uns"

Frau R. wohnt in Salzburg und macht beim Nachbarschaftsnetzwerk der Diakonie mit.

09.04.2020
"Bei einer normalen Geburtstagsfeier wird dir viel gratuliert, aber 'ich hab dich gern', das hörst du sonst vielleicht nicht so oft. Ich habe es gestern sehr oft gehört."
"Bei einer normalen Geburtstagsfeier wird dir viel gratuliert, aber 'ich hab dich gern', das hörst du sonst vielleicht nicht so oft. Ich habe es gestern sehr oft gehört."

"Das mit den Masken hab ich in der Zeitung gelesen. Ich hab mir gedacht: Ich bin 76 und gehöre zur Risikogruppe, viel herumrennen tu ich jetzt garantiert nicht – aber irgendeine Beschäftigung brauche ich. Jetzt nähe ich diesen Mund-Nasen-Schutz. Mittlerweile schaff ich schon so 20 Stück am Tag.

Ich mache sie vor allem für Freunde und Bekannte und auch für Einrichtungen, zum Beispiel von der Diakonie. Die Veronika, die mir auch bei Besorgungen hilft, bringt sie für mich zu den Leuten. Veronika geht auch für mich einkaufen, zur Post oder zur Apotheke. Ihr hab ich natürlich auch einen Mund-Nasen-Schutz gemacht!

Ich bin sonst immer draußen – in den Bergen, im Wald. Ich komme noch auf jeden Gipfel hinauf. Langsam, aber ich komm hinauf. Aber jetzt rausgehen? Einkaufen? Nein, das würde mir im Schlaf nicht einfallen. Außerdem habe ich ja einen Balkon.

Wissen Sie, ich verstehe aber schon, dass das für manche Menschen jetzt hart ist. Eine gute Freundin von mir – sie ist in meinem Alter, war Zahnärztin, eine starke Frau. Sie hat immer alles gemanagt, musste im Krieg flüchten. Jetzt braucht sie selbst Hilfe und hat gelernt, diese anzunehmen. Hilfe anzunehmen, das kann manchmal schwer sein. Vor allem, wenn man immer alles selbst gemacht hat und selbst geholfen hat.

Darüber haben wir erst gestern gesprochen, am Telefon. Wir telefonieren jetzt oft. Überhaupt telefoniere ich jetzt viel. Meiner Freundin hab ich auch einen Mund-Nasen-Schutz genäht und bringen lassen.

Jetzt ist eben Maskenzeit! (lacht)

Aber es ist ja nicht zum Lachen. Mich schreckt die Zeit jetzt schon… Die vielen Kranken, die Arbeitslosigkeit…

Einsam bin ich nicht, ich habe eine große Familie und gute Freundinnen. Und ich finde immer was zu tun oder zum Nachdenken. Aber es ist schon vieles anders.

Gestern habe ich Geburtstag gehabt.

Ich war alleine zu Hause. Ja, was soll man tun? Sonst kommen immer alle. Die Kinder, die Enkelkinder... Und dann suchen wir auch Osternesterl. Heuer nicht. Das muss so sein.

Aber wissen Sie, es war trotzdem schön. Der Urenkel hat mir mit seiner kleinen Spielbackform einen Kuchen gebacken! Den haben sie mir geschickt, mit einer Karte und einer kleine blauen Kerze. Die habe ich angezündet und dann haben sie gesungen, am Telefon. Sogar der Kleine hat laut 'Happy Birthday' mitgesungen – der wird erst drei!

Wir haben richtig Zeit gehabt zum Reden. 

Vieles war intensiver als sonst.

Es war so eine große Innigkeit da, obwohl sie nicht da waren.

Bei einer normalen Geburtstagsfeier wird dir viel gratuliert, aber 'ich hab dich gern', das hörst du sonst vielleicht nicht so oft. Ich habe es gestern sehr oft gehört.

Ich war dann fast den ganzen Tag am Telefon! Irgendwann hab ich gesagt: So, jetzt tu ich mir aber eine Falsche Wein auf und trink ein Achterl. Und dann hat er mir nicht geschmeckt – und Chips hab ich auch keine da gehabt. (lacht)

Meine Kinder sagen ja, ich brauch ein neues Handy, damit wir uns beim Telefonieren auch sehen können. Aber ich weiß nicht, Telefonieren ist doch gut! WhatsApp ist nicht so meins, ich bin eher der Bergschuh-Typ! (lacht)

Wenn alles vorbei ist, gehe ich wieder auf einen Berg. Dann holen wir auch das Geburtstagsfest nach. Und die Innigkeit, die behalten wir uns."

- Frau R. wohnt in Salzburg und macht beim Nachbarschaftsnetzwerk "Salzburg gehört zusammen" des Diakoniewerks mit.

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