Die wichtigen Fragen des Lebens beschäftigen uns als Menschen alle gleichermaßen

Die Denker:innen-Gruppe: Gemeinsam Nachdenken über das Sterben

Den Verlust eines nahestehenden Menschen zu verarbeiten ist ein individueller Trauerprozess. Menschen mit Behinderungen tauschen sich über den Sinn des Lebens und über den Tod aus.

27.10.2021
In der Denker:innen-Gruppe treffen sich Menschen mit Beeinträchtigung und sprechen offen und im geschützten Raum über den Sinn des Lebens, das Sterben und den Tod. (Foto: iStock)
In der Denker:innen-Gruppe treffen sich Menschen mit Beeinträchtigung und sprechen offen und im geschützten Raum über den Sinn des Lebens, das Sterben und den Tod. (Foto: Katarzyna Bialasiewicz- iStock)

„Ich bin dann einfach weg“, „man liegt in der Grube“ oder „die Würmer fressen einen an“ – ergreifende Aussagen von Menschen, die ein Bild vom Tod haben, das kaum tröstlich ist. Trauerarbeit ist sehr individuell.

Einige Menschen mit Behinderungen, die in Wohneinrichtungen der Diakonie in Oberösterreich leben, waren vor einiger Zeit mit Sterbefällen im nahen Umfeld konfrontiert. Ihr Bedürfnis mit jemandem über ihren Verlust reden zu können, war der Ursprung für die Idee, eine Gruppe und damit einen eigenen Raum für diese Gespräche zu gründen.

In der „Denker:innen-Gruppe“, die 2020 startete, treffen sich aktuell sieben Personen zwischen 20 und 60 Jahren, um über die wichtigen Fragen des Lebens und des Sterbens zu philosophieren. Wohin gehe ich? Was ist nach dem Tod? Gibt es einen Himmel und einen Gott? Welchen Sinn hat das Leben? Wie ist das Universum entstanden? Was gibt mir Hoffnung und was bedeutet Zuversicht?

Sterben gehört zum Leben

„In der Gruppe sprechen wir sehr philosophisch und offen über die wichtigen Fragen des Lebens. Wir haben Freude am Nachdenken und suchen gemeinsam nach Antworten“, so Barbara Klammer, Psychologin. Sie begleitet seit 20 Jahren im Diakoniewerk Mitarbeiter:innen, Bewohner:innen und auch Klient:innen unter anderem während der Trauerarbeit.

„Es geht um Zuhören und füreinander Dasein. Es geht darum, sagen zu dürfen, was man denkt und was man befürchtet. Wir gehen auf die Klient:innen ein, gehen auch mit zum Begräbnis, wenn sie das wollen. Oder wir erarbeiten gemeinsam Rituale zum Abschiednehmen“, so die Psychologin.

Ein Gebet oder eine Meditation aber auch Gesten, wie gemeinsam eine Kerze anzünden oder ein Bild der Hoffnung zu gestalten sind solche „Werkzeuge“ in der Trauerbegleitung. Die Gruppenmitglieder machen sich über die eigene Sterblichkeit ebenso ihre Gedanken wie über die Corona-Pandemie, das Alleinsein oder den Tod von nahestehenden Angehörigen. Vor allem die älteren Denker:innen sprechen über das Zurückbleiben.

Psychologin Barbara Klammer bekommt selbst bei den Treffen alle drei Wochen „immer neue Perspektiven auch auf meine eigene Sichtweise zum Sterben. Die Gedanken aller öffnen sich, Gefühle sind ausdrücklich erlaubt und keiner ist allein“, sagt sie.

Die Denker:innen-Gruppe

ist ein Angebot des Fachbereichs Psychologie und Seelsorge im Diakoniewerk.