Dr. Alexander Aschenbrenner, Psychologe, erzählt aus der Demenzberatung

Demenz geht uns alle an!

Dr. Aschenbrenner ist Gerontopsychologie und leitet die Demenzberatung der Diakonie in Salzburg. Er gibt Einblick in das Thema Demenz und erklärt, wie Unterstützung von Betroffenen und Angehörigen konkret aussehen kann.

26.09.2019
Dr. Aschenbrenner, Demenzberatung Diakonie in Salzburg (Bild: Diakoniewerk)

Wir wird Ihrer Meinung nach das Thema Demenz in der Gesellschaft gesehen?

Leider ist Demenz immer noch für viele ein Tabu-Thema. Viele setzen Demenz mit Alzheimer gleich. Die Alzheimer-Demenz ist zwar die häufigste Form der Demenz, trotzdem gibt es auch noch andere Arten wie zum Beispiel die vaskuläre Demenz oder andere Mischformen.

Unser Demenzberatungs-Team möchte durch Schulungen ein Bewusstsein für die Erkrankung, ihre Symptome und den Umgang mit den Betroffenen schaffen. Ein infomiertes Umfeld ist ein wichtiger Beitrag zur Unterstützung von Menschen mit Demenz. Uns ist es ein Anliegen, die Bevölkerung für dieses Thema zu sensibilisieren, denn Demenz geht uns alle an!

Welche Symptome deuten darauf hin, dass jemand an Demenz erkrankt ist?

Die Symptome sind vielfältig. Meist beginnt es mit einer leichten Vergesslichkeit, die bei manchen Menschen weniger stark und bei anderen stärker ausgeprägt ist. Hinzu kommen dann oft Probleme mit der Orientierung in gewohnter Umgebung oder Verhaltensänderungen. Demenz ist allerdings ein schleichender Prozess. Das heißt, die Erkrankung zieht sich über einen längeren Zeitraum. Dementsprechend zeigen sich manche Symptome auch erst mit der Zeit.

Wie genau kann die Demenzberatung hier helfen?

Zuerst einmal ist es wichtig, dass die Erkrankung auch wirklich diagnostiziert wird. Leider suchen sich Betroffene allerdings nicht gleich nach dieser Diagnose Hilfe, sondern warten sehr lange. Besser wäre es, sich wirklich unmittelbar danach über die Erkrankung zu informieren und sich auf die Suche nach Unterstützung zu machen.

Unser Team der Demenzberatung ist sowohl für Betroffene als auch Angehörige eine Anlaufstelle. Die Beratungen sind sehr individuell und richten sich nach den jeweiligen Bedürfnissen.

Wir klären zum Beispiel über Symptome und den Verlauf von Demenz auf, geben Tipps zur Alltagsbewältigung oder helfen bei der Suche nach Entlastungsmöglichkeiten und finanziellen Hilfen. Die Beratungen reichen dabei vom telefonischen Erstkontakt bis zu ausführlichen persönlichen Gesprächen. Wir bieten auch Beratungenzuhause an, besuchen Betroffene und Angehörige und geben dann Tipps zum Alltag. Wichtig ist es uns zu vermitteln, dass auch mit Demenz ein lebenswertes Leben möglich ist.

Wie können Sie Betroffene weiter unterstützen?

Es geht darum, dass die eigenen Fähigkeiten solange als möglich erhalten und gefördert werden sollten. Wichtig ist, dass sich sowohl die Demenzbetroffenen als auch die Angehörigen nicht zu sehr zurückziehen, sondern weiter am aktiven Leben teilnehmen.

Akivitäten, die einem gut tun und Spaß machen, sollten trotz der Erkrankung beibehalten werden. Sonst kann sich auch schnell eine Depression dazu entwickeln.

Auch regelmäßige Bewegung wie zum Beispiel Sitzgymnastik oder Spaziergänge sind von Vorteil.  

Es gibt Einrichtungen, wie zum Beispiel Tagesbetreuungen, die regelmäßige Aktivitäten zur Ressourcenförderung anbieten und tagsüber Angehörige bei der Pflege und Betreuung entlasten. In der Tagesbetreuung finden Betroffene auch soziale Kontakte.

Wichtig ist es außerdem, Menschen mit Demenz nicht alles abzunehmen, sondern ihnen bei den alltäglichen Verrichtungen behilflich zu sein. Das ist deshalb wichtig, weil Menschen mit Demenz genauso wie wir alle die Chance haben sollen, ihren Alltag selbstbestimmt und nach den eigenen Wünschen zu gestalten. - Denn wir reden sehr viel über Demenz, aber wenige fragen, was eine betroffene Person selbst möchte.