Von Gott und der Welt

Dankbarkeit

Der Blick zurück kann im Zorn oder mit Stolz geschehen, mit Wut oder Resignation über die verpassten Gelegenheiten oder aber mit Freude an den schönen Erinnerungen.

29.12.2018

In den Evangelischen Kirchen gibt es die wunderbare Tradition der Altjahresgottesdienste. Vor der Silvesternacht sammelt sich die Gemeinde, um das Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen und es in Gottes Hände zurückzulegen. Der evangelische Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer hat während seiner Haft geschrieben: „In der Dankbarkeit gewinne ich das rechte Verhältnis zu meiner Vergangenheit. In ihr wird das Vergangene fruchtbar für die Gegenwart.“

Ein Rückblick, der für die Zukunft fruchtbar wird, kann in der Haltung der Dankbarkeit gelingen.

Dankbar auf die eigene Vergangenheit zurückzuschauen, bietet einerseits die Möglichkeit, das Vergangene wertzuschätzen ohne es glorifizieren zu müssen, und es zum anderen in die Hände dessen zurückzulegen, der uns das Erlebte geschenkt hat.

Außerdem bringt der Dank – anders als der Stolz, der nur mit sich im Reinen ist – auch die anderen in den Blick. „Der Wunsch, alles durch sich selbst sein zu wollen, ist ein falscher Stolz. Auch was man anderen verdankt, gehört eben zu einem und ist ein Stück des eigenen Lebens.“

Dankbarkeit ist eine wundersame Weise, die Welt zu sehen. Sie macht die Welt, wie sie geworden ist, fruchtbar und ermöglicht Gegenwart und Zukunft.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".