Interview

"Autismus ist nicht gleich Autismus"

Ein Interview über Besonderheiten, Gemeinsamkeiten und Vorurteile

01.04.2021
Florian Grubhuber (18) ist Schüler am Evangelischen Realgymnasium Donaustadt, einer inklusiven Schule der Diakonie.
Florian Grubhuber (18) ist Schüler am Evangelischen Realgymnasium Donaustadt, einer inklusiven Schule der Diakonie.

Was bedeutet Autismus für dich?

Florian Grubhofer: Autismus ist vor allem eines: vielfältig.

 

Welches Autismus-Vorurteil nervt dich besonders?

Florian Grubhofer: Monk, Rainman und Sheldon Cooper – das sind die drei Autisten der Popkultur, die man kennt. Aber Autismus ist nicht gleich Autismus. Du kannst als Autist auch schlecht in Mathe sein. Es stimmt auch nicht, dass Autisten keine sozialen Kontakte knüpfen können. Manche können das besser als andere. Und wenn du anfangs nicht gut darin bist, kannst du es lernen.

 

Wo merkst du Autismus in deinem Alltag?

Florian Grubhofer: Immer dann, wenn ich plötzlich flexibel sein muss und eine Routine durchbrochen wird. Und wenn ich mich in fremde Leute und in eine Situation hineinversetzen muss, die ich selbst nicht kenne.

 

Wie ist die Corona-Zeit für dich?

Florian Grubhofer: Ich kann mit Corona gar nicht gut umgehen. Nichts ist planbar, alles immer anders. Und vor allem: Mir fehlen die Ablenkung und der soziale Kontakt.

 

Du maturierst gerade. Wie war die Schulzeit für dich?

Florian Grubhofer: Die Volksschule war eine schwierige Zeit. Ich habe erst am Ende der Volksschule meine Diagnose bekommen. Dann wusste ich endlich, was los war. Die Unterstufe war geprägt von Verständnis: Ich habe mich selbst verstanden, ich habe die anderen verstanden – und die anderen haben mich verstanden. In der Oberstufe war mein Autismus dann eigentlich kein großes Thema mehr. Das liegt aber auch dran, dass ich in eine Schule gehe, wo sich die Lehrerinnen und Lehrer und meine Mitschülerinnen und Mitschüler mit dem Thema Autismus und mit Inklusion in der Schule auskennen.

 

Worauf sollte man achten, wenn es um das Thema Autismus bzw. Autismus-Spektrum geht?

Das Wichtigste ist: Offenheit zeigen. Sich trauen, Fragen zu stellen. Die eigenen Vorurteile hinterfragen. Und das gilt eigentlich für alle Menschen, egal ob Autisten oder nicht.

 

Florian Grubhuber (18) ist Schüler am Evangelischen Realgymnasium Donaustadt, einer inklusiven Schule der Diakonie.

Autismus: Wie nimmst du die Welt wahr?

Autismus ist vielfältig und individuell. So müssen auch die Angebote für Menschen im Autismus-Spektrum sein: www.diakonie.at/autismus