Von Gott und der Welt

Am Kirchplatz

Andrea ist immer gerne in die Kirche gegangen, hat sie mir erzählt. In letzter Zeit ging sie nur mehr ihren Eltern zu Liebe.

10.11.2018
Der Turm einer Kirche im Gegenlicht (Bild: Pixabay)

Nicht, dass es ihr in der Heiligen Messe nicht gefallen hätte. Sie liebt die Orgel, die Lieder und den Geruch von Weihrauch, sogar die Predigt lässt sich aushalten. Wenn bei der Eucharistiefeier die Wandlungsglocken klingen, überkommt sie seit ihrer Ministrantinnenzeit ein leichter Schauer, hat sie sich doch vorgestellt, wie Jesus in dem Moment dazukommt und alle, die die Eucharistie feiern, mit ihm eine Gemeinschaft bilden.

Seit kurzem aber erträgt sie es nicht mehr, dass nach diesem für sie so wichtigen Moment die Männer am Kirchenplatz gleich wieder zu schimpfen anfangen über die Politik und die, die nichts hackeln wollen, und über die Ausländer oder auch nur über den Huber Sepp, weil ihm seine Frau angeblich den Stammtisch verbietet. Andrea hat es satt, dass sie in der Kirche alle ganz fromm tun und kaum sind sie draußen, alles vergessen zu haben scheinen, was sie soeben noch gehört hatten.

Letzten Sonntag hat sie sich dann dazugestellt, sagt sie, zu der Männerrunde und sie gefragt, ob der Jesus auch über den Huber Sepp herziehen würde, wäre er da. Da haben sie gelacht: „Wohl nicht, - aber er ist ja nicht da.“ Da hat sie gesagt: „Jetzt sicher nimma, ihr habt’s ihn ja vertrieben.“ Ob es was genutzt hat, weiß sie nicht. Aber jetzt ist ihr leichter, und sie freut sich schon auf Sonntag.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".