Augenzeugenbericht

Aktuelle Lage auf Lesbos katastrophal

"Was mir hier berichtet wird, ist das schlimmste, was man sich vorstellen kann."

10.12.2020

Aktuell stehen Hilfsorganisationen hier in Griechenland und auf Lesbos massiv unter Druck. Nur wenige Organisationen dürfen in die Lager hinein, um dort Hilfe zu leisten. Gleichzeitig wollen die griechischen Behörden derzeit unterbinden, dass die Augenzeugen darüber berichten, was sie in den Lagern an untragbaren Zuständen sehen.

Ich hab in meinem Leben schon viele untragbare Zustände gesehen. Aber das, was mir hier berichtet wird, ist das schlimmste, was man sich vorstellen kann. Kinder, die in der Nacht aufwachen und davonlaufen, weil sie durch den Brand so traumatisiert sind. Sie müssen ihr Trauma von dieser Brandnacht immer wieder durchleben. Sie haben Angst und Hunger, und keinerlei Betreuung. Sie sind den ganzen Tag in diesen zugigen Zelten, bekommen nur einmal pro Tag was zu essen, und haben auch keine Ablenkung, keinen Schulunterricht. Einfach nichts.

Christoph Riedl, Diakonie Menschenrechtsexperte: "Kinder, sind durch den Brand traumatisiert. Sie müssen ihr Trauma von dieser Brandnacht immer wieder durchleben. Sie haben Angst und Hunger, und keinerlei Betreuung."

Die Hilfsgüter der europäischen Regierungen sind noch immer nicht hier angekommen. Es gibt keine Duschen. Nichts. Und das ist erstaunlich auch für mich. Es gibt ja vor Ort viele Organisationen, von denen wir wissen und es von anderen Orten der Welt kennen, dass sie in kürzester Zeit in der Lage sind, eine Infrastruktur aufzubauen, die auch z.B. minimalen Hygienestandards entspricht.

Man muss aber auch grundsätzlich dazu sagen: Wir reden von einem Flüchtlingslager innerhalb der europäischen Union. Ein Flüchtlingslager in Griechenland darf eigentlich nicht anders ausschauen als eine Unterkunft in Österreich oder Deutschland.

Ein Flüchtlingslager in Griechenland darf eigentlich nicht anders ausschauen als eine Unterkunft in Österreich oder Deutschland.
Christoph Riedl, Diakonie Experte für Meschenrechte und Asyl

Und dazu sagt zum Beispiel der Antifolterbericht des Europarates: Griechenland mache seit Jahren eine Abschreckungspolitik gegenüber Flüchtlingen.

Gleichzeitig muss man auch sagen. Die anderen europäischen Länder sind mit Griechenland nicht solidarisch. Es kann ja nicht sein, dass Griechenland allein gelassen wird, und dass andere Länder, darunter Österreich, nicht bereit sind, ihren Beitrag zu leisten.

Link zum TV Interview

Gestern durfte ich die Situation auf Lesbos auch in der Zeit im Bild Nacht schildern. 7 Tage könnt ihr das Interview hier nachsehen

Mehr Infos dazu

Die Lager in Griechenland müssen besser heute als morgen evakuiert werden.  Alle Infos dazu hier.