Gestern gab es in Österreich noch 816 Lehrlinge, heute vielleicht 815 oder 810. Und bis Jahresende? 400?

Abschiebung von Lehrlingen: Ein fauler Kompromiss wurde ausverhandelt

Der „Kompromiss“ zu den Lehrlingen, der da gestern ausgearbeitet wurde, ist eine Scheinlösung.

06.11.2019
Wir brauchen unsere Lehrlinge (Still aus einem Youtube Video von Michael Ostrowski und Hilde Dalik)
Startbild aus einem Youtube Video von Michael Ostrowski und Hilde Dalik (Video am Seitenende)

Das Gesetz soll bis Jahresende in Kraft treten. Damit kommt es sehr spät, zu spät für die meisten.

Der Großteil (es waren einmal 1200) der jungen Menschen, die sich in Ausbildung befanden, wird dann schon abgeschoben worden sein.

Die meisten von ihnen stammen aus Afghanistan, das derzeit als das gefährlichste Land der Welt gilt. Werden sie dorthin abgeschoben, hilft ihnen auch die beste Ausbildung, die sie aus Österreich mitbringen, nichts.

Der „Kompromiss“ ist zynisch

Die Lehrlinge sollen nach Abschluss ihrer Ausbildung trotzdem abgeschoben werden.

Der „Kompromiss“ löst keine Probleme für die Unternehmen. Österreich hat ein FacharbeiterInnen-Problem. Die Betriebe waren froh, über diese Schiene endlich welche ausbilden zu können und wollen sie natürlich weiterbeschäftigen. Der volkswirtschaftliche Schaden beträgt laut Prof. Schneider von der Johannes Kepler Universität 100.000€ pro abgeschobenem Lehrling.

Der „Kompromiss“ regelt nichts für die Zukunft

Die ÖVP ist nicht bereit, den Zugang zur Lehre für Asylsuchende wieder zu öffnen. Lehrlinge, die noch im Asylverfahren sind, wird es auch in Zukunft nicht geben.

Trotz europarechtlicher Verpflichtung nach spätestens 9 Monaten Asylverfahren in erster Instanz einen effektiven Zugang zum Arbeitsmarkt sicherzustellen.

Damit aus dem faulen Kompromiss ein brauchbarer wird, braucht es zumindest 3 Dinge:

1. Eine Regelung, die ab heute gilt. Jemand muss dringend auf die Pause Taste drücken. Es ist weder den Lehrlingen, noch den UnternehmerInnen erklärbar, dass Lehrlinge, die heute einen negativen Bescheid bekommen, abgeschoben werden, während diejenigen, die ihn zu Weihnachten kriegen, ihre Lehre fortsetzen dürfen.

2. Eine Regelung für ein Bleiberecht nach Abschluss der Ausbildung. Österreich hat ein wirtschaftliches Interesse daran, dass die jungen FacharbeiterInnen ihre erworbenen Fähigkeiten auch einsetzen können.

3. Eine Regelung für den Zugang zur Ausbildung für Asylsuchende für die Zukunft. Diese muss alle Formen von Ausbildungen umfassen, auch sämtliche höherbildenden Schulen. Sie muss Menschenrechte und europäisches Recht respektieren. (Schlimm, so etwas dazuschreiben zu müssen!)