Von Gott und der Welt

Zwischen den Jahren

Jetzt endlich ist sie da, die stillste Zeit im Jahr.

27.12.2014
Eine Weihnachtskrippe mit Maria und Josef (Foto: Pixabay)

Die Zeit "zwischen den Jahren", die Tage von Weihnachten bis zum Dreikönigstag sind die Tage an denen die Zeit ein wenig still steht. Jetzt können die Bücher gelesen werden, für die keine Muße war, und die Musik gehört, die Aufmerksamkeit erfordert, oder gar die Gespräche geführt werden, für die wir uns keine Zeit genommen haben.

Die Zeit "zwischen den Jahren" fällt heraus aus der Geschäftigkeit des Jahreskreislaufs. Im Brauchtum heißen diese Tage auch Rauhnächte, die Zeit der "Wilden Jagd", der Geister und Dämonen. Da scheinen sich die dunklen Gedanken in Erinnerung zu bringen, die sonst unter der Firniss der Geschäftigkeit verborgen bleiben. Für den aber, der genau hineinzuhören vermag in die Tage und Nächte "zwischen den Jahren", für den können es auch Tage zwischen Himmel und Erde werden. Da ist noch der Nachklang der Engelschöre über dem Stall zu Bethlehem zu vernehmen, das Lachen des göttlichen Kindes und die aufgeregten Gespräche der Hirten, die sich wieder ihren Herden zuwenden. Da klingt noch das Glöcklein, das zum Christbaum ruft, im Ohr.

Wer aber noch genauer hin hört, hört vielleicht sogar auf sein Herz und vermag mit seiner Seele zu sprechen, hört was auf ihr lastet, und was sie ihm zu sagen und zu raten hat für das Neue Jahr. Für ein Gespräch mit der eigenen Seele ist die Zeit "zwischen den Jahren" ideal. Wer hat denn sonst schon Zeit, sich um seine Seele zu kümmern?

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.