Von Gott und der Welt

Zuversicht und Zweifel

Unser Herr Bundespräsident hat eine schöne Rede gehalten. Alexander van der Bellen hat eine ermutigende Rede gehalten, die das Vereinende vor das Trennende gestellt hat. Eine Rede für Österreich, das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten!“

28.01.2017
Bundespräsident Alexander Van der Bellen hält seine erste Rede im Parlement (Foto: Carina Karlovits/HBF)
Erste Rede von Bundespräsident Alexander Van der Bellen (Foto: Carina Karlovits/HBF)

Ein Hang zur zwinkernden Ironie ist dem neuen Bundespräsidenten eigen, und so hat er beim Empfang in der Hofburg davon gesprochen, dass das Amt des Bundespräsidenten ja fast schon sakrale Anklänge hätte. Seine Rede vor der Bundesversammlung hat das bestätigt. Die Zuversicht sei stärker als der Zweifel. Dort, wo der Zweifel nur das Schwarz des nächtlichen Himmels sehe, sehe die Zuversicht ein Meer funkelnder Sterne. Diese Sätze stünden auch einer Predigt gut an. Etwa einer Predigt über den Jakobusbrief, wo es heißt: „Bittet aber in großer Zuversicht, und zweifelt nicht; denn wer zweifelt, gleicht den Wellen im Meer, die vom Sturm hin- und hergetrieben werden.“

 

Ohne Zuversicht aber führt der Zweifel in die Verzweiflung, lässt uns die Sterne in der Schwärze der Nacht nicht sehen und wirft uns im Sturm des Lebens hin und her.
Michael Chalupka, Diakonie-Direktor

Doch der Zweifel kann auch eine produktive Kraft sein. Zweifeln, Fragen stellen, nicht alles als gegeben hinnehmen, bringt uns auch weiter. Ohne Zuversicht aber führt der Zweifel in die Verzweiflung, lässt uns die Sterne in der Schwärze der Nacht nicht sehen und wirft uns im Sturm des Lebens hin und her. Zuversicht, Vertrauen in das Morgen kann Zweifel und Angst ihre Schwere nehmen und zu neuer Tatkraft führen, damit Österreich das neue Land der unbegrenzten Möglichkeiten für viele wird. Auch wenn nicht jeder Bundespräsident werden wird.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".