Von Gott und der Welt

Zeit zur Umkehr

„Die Evangelische Kirche ist wie alle, die in unserer Gesellschaft Verantwortung tragen, verpflichtet, gegen Antisemitismus aufzutreten und daraus auch die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen.“

27.01.2018
Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoa von Rachel Whiteread, Wien
Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoah von Rachel Whiteread, Wien (Photo Thomas Ledl)

Das betonte der Bischof der Evangelischen Kirche in Österreich, Michael Bünker, angesichts des Gedenkens an die Shoah, die Vernichtung der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus, in einer Solidaritätsadresse an die Israelitische Kultusgemeinde, die der Gedenkveranstaltung im Parlament am Donnerstag fernblieb.

Es reicht nicht, dass man angeblich nichts gewusst, gekannt oder gesungen hätte
Michael Chalupka

Alle, die Verantwortung tragen, sind aufgerufen, gegen Antisemitismus aufzutreten. Es reicht nicht, dass man angeblich nichts gewusst, gekannt oder gesungen hätte, oder zu jung sei. Es geht darum, was man getan hat, um der Ideologie, die des millionenfachen industriellen Mordes schuldig geworden ist, entgegenzutreten – dort, wo man selbst Verantwortung trägt.

„Mit Scham stellen wir fest, dass sich unsere Kirchen für das Schicksal der Juden und ungezählter anderer Verfolgter unempfindlich zeigten“, heißt es in der Erklärung der Evangelischen Kirche aus dem Jahr 1998 „Zeit der Umkehr“. Auch die eigene Lehre und kirchliche Praxis sei auf Antisemitismen zu überprüfen.

Entschlossen gegen Antisemitismus aufzutreten, gilt für alle Bereiche der Gesellschaft. Einzig wer sich dieser Verantwortung stellt, darf in Österreich Verantwortung für diesen Staat übernehmen.