Von Gott und der Welt

Würde am Ende des Lebens

Lange hatte er widerstanden, doch in seinen letzten Stunden ergab sich mein schwerkranker Vater dem Tod.

07.11.2014
Eine Kerze, die im Dunkel leuchtet (Foto: Pixabay)

Er rief die Familie zusammen, verabschiedete sich von jedem von uns, verlangte noch nach dem Abendmahl und verstarb in der Nacht.

Die Zeiten des Widerstands waren auch Zeiten großer Schmerzen und des verzweifelten Kampfes seiner Frau und der ganzen Familie – eines Kampfes auch mit den betreuenden Ärzten um die richtige Schmerztherapie.  Das war vor mehr als zwanzig Jahren. Seither ist vieles geschehen.

Die Palliativ-Versorgung ist besser geworden, der Hospizgedanke hat sich weitgehend durchgesetzt. Doch noch immer ist es nicht so, dass es in ganz Österreich zur Gewissheit geworden wäre, dass die Phase des Lebens, die vor dem Tode liegt, so gelebt werden kann, wie wir alle uns das wünschen. Nämlich möglichst im eigenen Bett, schmerzfrei, im Kreise seiner Lieben Abschied nehmen können.

Nicht überall gibt es mobile Hospizteams, nicht überall sind die Mitarbeiter der Pflegeheime und das Pflegepersonal und die Ärztinnen  entsprechend geschult, nicht überall bestehen keine finanziellen Hürden.

Seit gestern tagt im Parlament die Enquete-Kommission „Würde am Ende des Lebens“. Deshalb besteht die berechtigte Hoffnung, dass es bald überall in Österreich ein Recht auf Hospiz- und Palliativversorgung geben wird, sodass niemand mehr Schmerzen und Qualen, die ihm auch genommen werden könnten, erleiden wird müssen.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.