Lokalaugenschein aus Helsinki

Worin bin ich gut?

Wer bin ich? Was ist mir wichtig? Worin bin ich gut? In Helsinki arbeitet die Diakonie anhand des sogenannten CABLE Approach.

07.02.2017
Ein rosa Fragezeichen, das auf einen Baum gesprüht wurde (Foto: Pixabay)
Foto: Pixabay

Was kann ich gut? SozialarbeiterInnen, Wohnungslose und Ehrenamtlichen sitzen in der Runde zusammen. „Ich kann gut kochen“, sagt die ältere Dame, die sich ehrenamtlich bei der Diakonie in Helsinki engagiert. „Mir fällt Schreiben leicht“, bringt der Sozialarbeiter ein. „Ich schau am Schluss immer, ob die Lichter abgedreht sind“, bringt der junge Mann aus der Notschlafstelle ein.

Wir befinden uns in Phase Drei des CABLE Programms in einem Tageszentren für Einsame inmitten von Helsinki, Finnland. Community Action Based Learning for Empowerment, das ist CABLE. Dahinter verbirgt sich ein Lernprogramm, das aus fünf Phasen besteht:

Es beginnt mit der Frage „Wer bin ich?“, mit Biographie-Arbeit. Dann folgt die Auseinandersetzung „Was ist mir wichtig?“ also mit den Werten, die mich prägen. In Phase Drei „Worin bin ich gut?“, meine  Fähigkeiten. Im vierten Schritt geht es hinaus in die Umgebung „Wo lebe ich?“, hier rückt die Verortung und die Nachbarschaft in den Blick. Was siehst Du? Was riechst, hörst, schmeckst du? Wer hat die Macht? Hier wird die Wahrnehmung im Raum geschult. Und am Schluss, der kein Ende ist, treffen sich alle, um zu berichten und den Aufbruch zu gestalten.  Phase 5 fragt: „Was tun?“ „Was ändern?“ hier geht es um Aktion oder um Change.

Was ist der CABLE Approach?

Die Abkürzung CABLE steht für Community Action Based Learning for Empowerment. Dahinter verbirgt sich ein Lernprogramm, das aus fünf Phasen besteht und Partizipation möglich macht.

Nicht nur im Diakonie Tageszentrum wird mit dem CABLE Approach gearbeitet, auch im Wohnhaus für Suchtkranke und im Jugendzentrum lernen BewohnerInnen, Sozialpädagogen und Nachbarn in diesem Programm gemeinsam voneinander. In der AIDS Beratung ist daraus eine Verbesserung der Eingangssituation entstanden und eine Bewohnervertretung wurde gegründet. Im Jugendzentrum hat ein CABLE Prozess die neue Idee gebracht, in der Helsinker U-Bahn eine niederschwellige Stelle für Jugendliche am Rand zu installieren. Ist bereits umgesetzt.

CABLE bringt die Professionalisten mit den sog „KlientInnen“ und engagierten BürgerInnen auf Augenhöhe, bindet die Nachbarschaft mit ein und macht Partizipation möglich.
Martin Schenk, Sozialexperte der Diakonie

CABLE bringt die Professionalisten mit den sog „KlientInnen“ und engagierten BürgerInnen auf Augenhöhe, bindet die Nachbarschaft mit ein und macht Partizipation möglich. Ob Pflegekräfte, SozialarbeiterInnen, PädagogInnen oder PsychologInnen – CABLE ist für jeden neuen Diakonie-Mitarbeiter in Helsinki Pflicht.

Eurodiaconia - Diakonie in Europa

Der Verband „Eurodiaconia“ vernetzt europäische Organisationen und Institutionen mit sozialer und diakonischer Zielsetzung. „Eurodiaconia“ hat derzeit 33 Mitglieder. Das Sekretariat befindet sich in Brüssel. In der Serie „Best of Europa“, stellen wir ausgewählte Diakonie-Projekte aus ganz Europa vor.