Zu Besuch im Of(f)'n-Stüberl in Linz

„Wollen Ort der Menschlichkeit bleiben“

„Wir begleiten Menschen im Alltag. Wir sind einfach für sie da und das ist etwas sehr wirksames“. Eine Fotoreportage übers Of(f)'n-Stüberl in Linz - unser heutiger "Ort der Hoffnung".

16.12.2017
Frühstücksraum des Of(f)n Stüberls
Foto: Nadja Meister

„Bei uns heißt es Gäste“, stellt Michael gleich zu Beginn klar. Michael sitzt kaffeetrinkend im dicken Wollpulli im großen hellen Frühstücksraum des Of(f)'n-Stüberl. Neben ihm Manfred und Helga. Das Geschirr klappert, Gesprächsgemurmel liegt im Raum, freiwillige Helferinnen wuseln durch den Raum und sorgen für Ordnung und Nachschub an Brot, Aufstrich und Kaffee. Um 10:00 Uhr vormittags ist im Of(f)'n-Stüberl viel los.

Eingang ins Of(f)'n-Stüberl der Stadtdiakonie Linz
Foto: Nadja Meister

Ins Of(f)'n-Stüberl kommen Menschen, die von der Wohnungslosenhilfe betreut werden, aber auch MindestpensionistInnen, denen das Geld für Essen fehlt. Ein Sozialarbeiter-Team mit fünf MitarbeiterInnen begleitet, unterstützt und betreut die Gäste.

Helen in der Küche des Of(f)'n-Stüberls der Stadtdiakonie Linz.
Foto: Nadja Meister

Helene arbeitet als Sozialarbeiterin im Of(f)'n-Stüberl: „Wir wollen einen Raum schaffen, wo es keinen Gesprächszwang gibt. Wir sind ein Schutzraum und wollen Einsamkeit und Isolation entgegenwirken.“

Frühstückstablett im Offn Stüberl der Stadtdiakonie Linz.
Foto: Nadja Meister

„Bis zu 120 Männer und Frauen kommen jeden Tag ins Stüberl“, erklärt der Leiter Georg Wagner. „Wir begleiten Menschen im Alltag. Wir sind einfach für sie da und das ist etwas sehr wirksames“.

Eingang ins Of(f)'n-Stüberl der Stadtdiakonie Linz
Foto: Nadja Meister

Der Frühstücksraum liegt im Erdgeschoß des Hauses.

Das Gebäude, in dem sich das Off(n) Stüberl befindet
Foto: Nadja Meister

Seit mehr als 60 Jahre arbeitet die Stadtmission an diesem Standort. 2017 feierte das Of(f)'n-Stüberl das 20-jährige Bestehen. Im letzten Jahr wurde umfassend renoviert und ausgebaut.

Waschgelegenheit im Stadtdiakonie Linz
Foto: Nadja Meister

Im Obergeschoß können die Gäste jetzt Duschen, Waschgelegenheiten und einen Ruheräume nutzen.

Ohne den Frühstücksbetrieb wäre das Stüberl nicht das Stüberl. Doch dieses Angebot ist nur Dank der Unterstützung von freiwilligen HelferInnen möglich. Eine davon ist Maria (Bild, Mitte), die im Frühstücksraum nach dem Rechten schaut.
Foto: Nadja Meister

Ohne den Frühstücksbetrieb wäre das Stüberl nicht das Stüberl. Doch dieses Angebot ist nur Dank der Unterstützung von freiwilligen HelferInnen möglich. Eine davon ist Maria (Bild, Mitte), die im Frühstücksraum nach dem Rechten schaut.

„Ich bin seit zwei Monaten hier. Eigentlich hatte ich schon 10 Jahre im Hinterkopf, dass ich mich engagieren will. Jetzt habe ich Zeit, etwas Nützliches zu tun und etwas zurück zu geben.“ Das Of(f)'n-Stüberl hat sie im Internet gefunden. Jetzt hilft sie 2- bis 3-mal im Monat. Um 7:30 Uhr beginnen die Frühstücksvorbereitungen, um 12:30 ist der Dienst zu Ende. „Man hat Freude, wenn man anderen helfen kann.“

Gemeinsames Arbeiten im Of(f)n-Stüberl
Foto: Nadja Meister

Immer wieder gibt es im Of(f)'n-Stüberl kleinere Aufgaben zu vergeben, die die Gäste übernehmen. Sei es Wäschewaschen, Reinigungsarbeiten oder die Brotlieferung vom Bäcker abholen. 

Heute übernimmt Fiona einige Arbeiten. Sie möchte unbedingt eine Ausbildung machen und in der Kinderbetreuung arbeiten: „Ich brauch aber Lernunterstützung, aber allein kann ich mir das nicht leisten und auch nicht schaffen.“ Neben der Suche nach einem Ausbildungsplatz, ist die junge Frau auch auf Wohnungssuche. „Es ist schwer. Die Kaution oder der Genossenschaftsanteil ist zu hoch. Wenn ich keine Wohnung hab, find ich keine Arbeit. Wenn ich keine Arbeit hab, hab ich keine Wohnung.“

Ein Rucksack und Hab und Gut
Foto: Nadja Meister

Schätzungen zufolge gibt es in Linz rund 2.000 wohnungslose Menschen, davon rund 150 akut obdachlos. „In den letzten Jahren ist die Anzahl derer gestiegen, die sich schon länger in einer Notlage befinden“, erklärt Georg Wagner, Leiter des Of(f)'n-Stüberls.

Ein Spender übergibt an Georg Wagner eine Sachspende
Foto: Nadja Meister

„Unsere Aufgabe ist es, akut und schnell zu helfen. Leute zu orientieren, damit sie wissen, wo und welche Hilfe sie bekommen können.", erklärt Georg Wagner (rechts im Bild). Neben rund 30 freiwilligen HelferInnen, die den Frühstückbetrieb abwickeln, engagieren sich auch Privatpersonen mit Sachspenden.

„Ich habe in meinem Freundeskreis gesammelt und so sind über 2.300€ für Einkaufsgutscheine zusammegekommen, 4 Container Lebensmittel“, erzählt Dr. Johannes Riedl (links im Bild) beim Überbringen seiner Spende.

HelferInnen gesucht!

Wie geholfen wird und wie man helfen kann, erfährt man hier: http://stadtdiakonie.net/was-wir-tun/offn-stueberl