„Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.“ (9. Gebot)

Wohnen ist ein Menschenrecht

Ein Dach über dem Kopf und Wände, Türen und Fenster zu haben gehört zu den Grundbedürfnissen und somit auch zu den Grundrechten des Menschen.

06.08.2017

Die Haut atmet. Die Kleidung soll atmungsaktiv sein. Wände müssen atmen können. Es ist kein Zufall, dass Kleidung und Wohnung mit körperlichen Metaphern beschrieben werden. Ist die Kleidung unsere zweite Haut, so ist die Wohnung unsere dritte Haut.

Wohnen ist etwas höchst Intimes. Die Wohnung bietet Schutz, trennt Außen und Innen, bietet die Möglichkeit, hereinzulassen, wen immer wir wollen, und alle die, die wir nicht um uns haben wollen, auch draußen zu lassen.

Ein Dach über dem Kopf und Wände, Türen und Fenster zu haben gehört zu den Grundbedürfnissen und somit auch zu den Grundrechten des Menschen.

Ist die Kleidung unsere zweite Haut, so ist die Wohnung unsere dritte Haut.

Dieses Grundrecht war schon immer gefährdet. Ihm ist eines der zehn Gebote gewidmet. Das neunte Gebot richtet sich aber nicht an Wohnungslose, die sehnsuchtsvoll auf das Haus des Nächsten schielen mögen, weil sie selbst kein Dach über dem Kopf haben, sondern an die HausbesitzerInnen, die auch noch gerne das Nachbarhaus ihr Eigen nennen möchten. Es richtet sich an die Kriegsherren, die es sich mit Gewalt aneignen, und an die WohnungsspekulantInnen, die an der Wohnungsnot verdienen wollen.

„Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus“ meint: Du sollst deinem Nächsten nicht das Grundrecht auf Wohnen streitig und ihm sein Haus abspenstig machen; weder mit Gewalt noch durch juristische oder ökonomische Tricks.

Die Gebote sind nie nur Verbote, sondern immer auch Grundprinzipien, die die Würde und die Rechte der Menschen wahren wollen. Daraus ergeben sich für die Diakonie verschiedene Aufgaben:

Zum einen müssen wir dafür Sorge tragen, dass Menschen selbstbestimmt, ihren Bedürfnissen gerecht wohnen können. Betreuung und Begleitung sollen dieses Ziel so weit wie möglich unterstützen, dürfen aber nicht in neue Abhängigkeiten führen. Niemand soll sich seiner „Haut“ erwehren müssen, sondern darin wohnen können, wie es ihr und ihm beliebt.

Zum anderen muss die Diakonie auch darauf hinweisen, wenn das Menschenrecht auf Wohnen negiert wird. Wenn Wohnen nicht mehr leistbar ist, wenn Menschen unter uns leben müssen, die über keinerlei Mittel mehr verfügen, angemessen Unterkunft zu finden, und deshalb jeglicher Ausbeutung ausgesetzt sind, dann wird das 9. Gebot gebrochen.

Themenschwerpunk #SchlüsselfrageWohnen

In welcher Weise diakonische Initiativen in den verschiedensten Bereichen dafür sorgen, dass das Menschenrecht auf Wohnen so gelebt werden kann, dass die Wünsche und Nöte der Einzelnen im Zentrum stehen, davon handelt dieser Themenschwerpunkt.