Von Gott und der Welt

Wo war Gott?

Wo war Gott? Wie kann Gott so etwas zulassen? Das sind für Glaubende bedrängende Fragen nach einer Katastrophe wie der in Lampedusa, bei der mehr als 300 Menschen in den Flammen oder im Meer umgekommen sind.

12.10.2013
Schwimmwesten, die auf einen Haufen am Boden liegen (Foto: Ben Nausner)
Nur wenn Europa endlich Instrumente zur legalen Einreise für Flüchtlinge schafft, werden sich Flüchtlinge nicht mehr in Schlepperboote setzen und ihr Leben riskieren.

Wo war da Gott? Kann man danach noch an Gott glauben? In Palermo, der Hauptstadt Siziliens, treffen sich Frauen, die die Fahrt über das Meer um ein Haar überlebten, in einer Beratungsstelle der Diakonie zu einem regelmäßigen Austausch. Dort habe ich mit Clara S. sprechen können. Vor vielen Jahren wurde sie aus Nigeria als Hausmädchen zu einer vermögenden Familie in das Libyen Gaddafis geholt. Sie arbeitete 18 Stunden am Tag und schlief auf dem Küchenboden. Nach dem Krieg gegen Gaddafi war der Weg nach Hause versperrt. Sie suchte in einem elenden Lager Zuflucht, wurde mehrfach vergewaltigt, kratzte ihre letzten Ersparnisse zusammen, um Platz auf einem Boot zu finden. Die Überfahrt dauerte acht Tage, ohne Nahrung, ohne Wasser. Die Frau neben ihr starb geschwächt, wie sie war.

„Ich habe gebetet, ständig gebetet. Gott war mit uns auf dem Boot!“ Clara S. hatte sich nicht gefragt: Wo ist Gott? Sie hat sich gefragt: Wo ist Rettung? Wo ist die Küstenwache? Wo ist ein Fischerboot? Wie kann Europa das zu lassen? Warum hat das Boot, das unsere Hilferufe gehört hat, abgedreht? Die Fragen sind brennender denn je. Gott hat seinen Platz neben den in der sengenden Sonne Dürstenden. Wo aber bleibt die Hilfe des reichen Europas in seiner Gottverlassenheit?

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".

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