Von Gott und der Welt

Wir sind schön!

Es wird heiß. Es kommt die Zeit, in der die Bikinifigur auf dem Prüfstand steht. Sie wird dem eigenen kritischen Blick vor dem Spiegel ausgesetzt, denn der bleiche Körper will in die Sonne.

02.07.2016
verschiedene Pictogramme von weiblichen Körpern

Weniger aber sind mit dem, was sie sehen, zufrieden. Zu unerreichbar sind die Ansprüche und Vorbilder, die uns aus den Illustrierten entgegenlachen.

Gerade für junge Frauen kann dieser Blick in den Spiegel zu einer Falle werden. Der kritische Blick auf das eigene Selbstbild führt zu Selbstzweifel und schließlich zu selbstgefährdenden Essstörungen.

Anja lebt seit einem Jahr in der sozialtherapeutischen Wohngruppe (WG Kaya) für Mädchen und junge Frauen mit Essstörungen der Diakonie Zentrum-Spattstraße in Linz. Für Anja und ihre sechs Mitbewohnerinnen begleiten Therapien, Arzttermine und ein eigens auf sie abgestimmter Ernährungsplan den Alltag. Die medizinischen Kontrollen gehören nicht gerade zu Anjas Lieblingsterminen – „aber ohne Ärzte und Krankenhaus würde ich wahrscheinlich nicht mehr leben“, gesteht sie ein. Die WG Kaya ist derzeit noch ein einzigartiges Projekt in Österreich. Der Bedarf wäre viel höher.

In der Bibel heißt es:

Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut.

Zu erkennen, wie schön wir alle gemacht sind, dazu dienen Projekte wie Kaya. Doch diese Erkenntnis tut uns allen gut. Dann kann der morgendliche Blick in den Spiegel zu einem Lobpreis der Schöpfung werden.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.