Von Gott und der Welt

Wir sind Nazarener

Die Terrorgruppe ISIS hat den arabischen Buchstaben für "N" dazu benutzt, um in Mossul die Häuser von Christen zu markieren. 

26.07.2014
Zwei Frauen - gewaltsam aus ihrer Heimat im Nordirak vertrieben
Frauen nach ihrer Vertreibung aus Mossul, auf den Trümmern ihrer Existenz (Foto: Thomas Lohnes/DKH)

Am vergangenen Wochenende wurde ihnen in Mossul das Ultimatum gestellt: entweder zum Islam zu konvertieren, einen Status der Duldung und der Bezahlung einer Sondersteuer zu akzeptieren, oder aber den selbst ernannten „Islamischen Staat“ zu verlassen. Wer dem nicht nachhkomme, dem drohe die Hinrichtung.

Das "N" an den Hauswänden, diente dazu, Nachschau zu halten, ob hier noch Nazarener lebten. Ein Massenexodus christlicher Familien war die Folge.

Kirchen und Häuser in Mossul, einem der ältesten Zentren des Christentums, stehen leer. Doch im Internet habe sich die aramäischen Christen Mossuls das "N" zurück erobert. Weltweit läuft unter dem Arabischen Buchstaben N eine Solidaritätsaktion, mit der sie auf ihre verzweifelte Situation aufmerksam machen.

Unter den Hashtags #WeAreN drücken auch immer mehr Muslime im Irak und Christinnen in aller Welt ihre Sorge aus. Selbst die Kirche von England hat im Nachrichtendienst Twitter ihr Symbolbild durch das Arabische N ersetzt.

Die Geschichte wiederholt sich auf tragische Weise. War doch auch die Bezeichnung "Christ" im römischen Reich als Drohung gedacht, und wurde erst von den Anhängern Jesu als Ehrentitel umgedeutet. Das N an den Mauern von Mossul erinnert daran, dass die Führer dieser Welt Verantwortung tragen, auch und gerade für die Christen von Mossul.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.