Von Gott und der Welt

Wir sind in die Welt geworfen

Der Dichter Stefan Mann hat für den Literaturpreis Ohrenschmaus ein Gedicht geschrieben, in dem er poetisch seine Geburt beschreibt. Der letzte Satz des Gedichts lautet: „Aus dem Stern wurde ich. Ein wertvolles Kind.“

21.03.2015
Logo des Literaturpreises OHRENSCHMAUS
Der Ohrenschmaus fördert Literatur von Menschen mit Lernschwierigkeiten

Stefan Mann tanzt, zeichnet und schreibt und hat eine freundschaftliche Gesprächsbeziehung mit Jesus. Oft hadert er mit seiner Trisomie 21, dann lebt er wieder versöhnt. Der Dichter wurde mit Trisomie 21 geboren, einer Chromosomenvariation, bei der das 21. Chromosom oder Teile davon dreifach vorhanden sind. Trisomie 21 ist auch unter dem Name Down-Syndrom bekannt.

Immer weniger Sterne mit Trisomie 21 werden zu wertvollen Kindern. Im Jahr 2012 wurden in Österreich nur sechs Kinder mit Down Syndrom geboren. Wir müssen davon ausgehen, dass über 90 % der Schwangerschaften mit positiver Diagnose auf Trisomie 21 abgebrochen werden. Das liegt zum einen daran, dass das österreichische Recht es vorsieht, dass Kinder mit Behinderung im Rahmen der eugenischen Indikation bis zur Geburt abgetrieben werden dürfen, und zum anderen daran, dass die Unterstützungen, die Eltern mit einem Kind mit Behinderung erwarten können, nicht ausreichen, dass sie sich das Leben mit einem Kind mit Trisomie 21 vorstellen können. Beides muss geändert werden.

Wertvolle Kinder brauchen eine Gesellschaft, die nicht zwischen wertem und unwertem Leben unterscheidet und die denen Hilfe gewährt, die sie brauchen.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".

Literaturpreis „Ohrenschmaus“

Der Literaturpreis Ohrenschmaus versteht sich als Förderpreis, der Texte von Menschen mit Lernbehinderungen prämiert und ihnen den Zugang zur Literatur ermöglicht. Die Jury um Schirmherr Felix Mitterer sucht herausragende Texte von intellektuell behinderten Menschen, die Leserinnen und Lesern neue Einblicke in das Leben und Denken behinderter Menschen ermöglichen und zur Vielfalt der Literaturlandschaft beitragen.