Von Gott und der Welt

Widerstand

Was tun, wenn Lügen verbreitet werden, man angegriffen und verleumdet wird?

06.09.2014
eine rote Rose als Symbol der Liebe
Jesus, der Sohn Gottes, war nicht naiv. Er war Realist.

Zurückschlagen, zum Anwalt rennen, große Geschütze auffahren und Drohungen aussprechen?

Der Weg Jesu war ein anderer. Er lehrte seine Jünger:

Wenn Dich einer auf die Backe schlägt, dann halte ihm auch noch die andere hin!

Das klingt naiv, nach einem weltfremden, entrückten Friedensapostel, der alles widerstandslos hinnimmt. Doch Jesus, der Sohn Gottes, war nicht naiv. Er war Realist.

Er und seine Jünger lebten in einem besetzten Land. Die römische Soldateska terrorisierte das Land und schikanierte die Bevölkerung. Zurückzuschlagen, wenn einer von einem Soldaten drangsaliert wurde, wäre der reine Selbstmord gewesen. Jesus sagte seinen Jüngern:

Wenn ihr bedrängt und geschlagen werdet, dann duckt euch nicht weg, versteckt euch nicht, lasst euch schlagen, aber nicht demütigen.

Die andere Backe hinzuhalten, wenn man geschlagen wird, ist eine Akt des gewaltfreien Widerstands und ein Zeichen dafür, dass die Jünger sich ihre Würde auch durch Gewalt nicht nehmen lassen.  Der Angreifer, der Widerstand provozieren wollte, blieb beschämt zurück.

Heute tun wir uns schwer mit dem Wort Jesu, denn es scheint sich keiner mehr zu schämen, wenn sein Opfer nicht zurückschlägt. Doch eines sollten wir nicht unterschätzen: Sich schämen zu müssen, ist eines der schmerzlichsten Gefühle, das lange in einem nagt, auch wenn es uncool erscheint, es zuzulassen.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.