Von Gott und der Welt

Werde, was Du bist

Das Jahr begann am 1. Jänner, doch das harte Arbeitsleben beginnt jetzt. Der nächste Feiertag, der eine Arbeitswoche unterbricht, steht erst in mehr als 3 Monaten ins Haus. Wer bis heute seine guten Vorsätze gehalten hat, dem ist zu gratulieren.

09.01.2016
ein Stück Schokolade, das dem Betrachter das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt
Quälend werden noch so gut gemeinte Vorsätze dann, wenn wir meinen, wir müssten einen gänzlich anderen Menschen aus uns machen.

Ab Montag aber wird es noch ein bisschen härter, den inneren Schweinhund zu überwinden und mehr Sport zu treiben, auf die Zigarette zwischendurch zu verzichten und die Tafel Schokolade, die einen immer den Tag überstehen half, in der Schublade verstauben zu lassen. Da ist es an der Zeit, seine guten Vorsätze zu überdenken. Die kleine Weisheit des evangelischen Theologen, Philosophen und Aufklärers Johann Caspar Lavater, der im 18. Jahrhundert in der Schweiz lebte, kann dabei helfen. Der sagte:

Siehe zuerst, was du bist und was du hast und was du kannst und weißt, ehe du bedenkst, was du nicht bist, nicht hast, nicht weißt und nicht kannst.

Gute Neujahrsvorsätze helfen uns, uns zu ändern, uns weiterzuentwickeln mit all dem, was wir sind, haben und können. Quälend werden noch so gut gemeinte Vorsätze dann, wenn wir meinen, wir müssten einen gänzlich anderen Menschen aus uns machen. Denn so, wie wir sind, sind wir von Gott gewollt mit all unseren Unzulänglichkeiten, aber auch mit all unseren Gaben. Wir haben viel geschenkt bekommen, nicht nur zu Weihnachten. Machen wir das Beste draus, dann können die Vorsätze gelingen und halten. Zumindest bis Ostern, wenn nicht für‘s restliche Leben.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.