Technische Fortschritte in der Unterstützten Komunikation

Wenn das Tablet die Sprache ersetzt

Einfach über den vergangenen Schultag berichten: das kann Christian nicht. Denn ihm fehlt eine Fähigkeit, die wir für selbstverständlich halten, das Sprechen.

30.01.2018
screenshot app meta talk
Am Anfang steht eine eindrucksvoll rasche EDV-Eingabe. Christian wischt mit hohem Tempo über die Symbole auf dem Display, klickt einzelne Buchstaben an und drückt schließlich den Button zur Sprachausgabe.

Auf simple Fragen antwortet Christian mit einfachen Gesten. Daumen rauf oder runter zählen dazu. Bei komplizierteren Themen kann die Sprachausgabe eines Tablets für ihn sprechen.

Mehr als 60.000 direkt Betroffene in Österreich

Einen solchen Helfer benötigen mehr Menschen, als die meisten von uns glauben. Christian ist einer von mehr als 60.000 Betroffenen in Österreich, die in ihrer Kommunikation auf Unterstützung angewiesen sind und für die Laut- oder Gebärdensprache nicht oder nur begrenzt in Frage kommen. Die möglichen Ursachen derartiger Behinderungen reichen von Problemen bei der Geburt bis zu Schlaganfällen.

Fortschritt dank Apps für Standardhardware 

Entscheidende Fortschritte für Menschen mit Sprachbehinderung brachte in den vergangenen Jahren die Informationstechnik. Christian kann ein Tablet mit der App Metatalk für sich sprechen lassen. Auf Knopfdruck erzählt es für ihn, dass eine Betreuerin der Wohngemeinschaft, in der er wohnt, Geburtstag hat und er sich auf die Feier freut.

Sprachausgabe auf Knopfdruck

Am Anfang der computerunterstützten Kommunikation steht eine eindrucksvoll rasche EDV-Eingabe. Christian wischt mit hohem Tempo über die Symbole auf dem Display, klickt einzelne Buchstaben an, wechselt die Kalenderoberfläche und drückt schließlich den Button zur Sprachausgabe. Nun gibt eine Computerstimme seine Eingabe laut aus und er hat sogar Zeit seinem Gegenüber in die Augen zu schauen.

Mundgesteuerte Eingabe

Manche Menschen sind aufgrund motorischer Beeinträchtigungen aber nicht in der Lage, Touchscreens oder Computermäuse zu bedienen. Für diese Gruppe wurde zuletzt eine Maus entwickelt, die mit dem Mund gesteuert werden kann.

Augensteuerung

Allerdings haben Geräte, die in diesem komplexen Feld im Einsatz sind, ihren Preis. Zwar hat der Umstieg von anderen Technologien auf das iPad in den vergangenen Jahren teurere Technologien ersetzt. Doch es gibt auch Menschen, die nur noch mit ihren Augen mit der Umwelt kommunizieren können. Für Menschen, die zum Beispiel nur noch ihre Pupillen bewegen können, ist die Augensteuerung das wichtigste Mittel zur Kommunikation und damit ihre Möglichkeit zur Selbstbestimmung.

Ist Kommunikation eine Frage der Kosten?

Natürlich sind solche Spezialgeräte teuer. Und die Behörden machen den Patienten den Weg zu den Vergütungen nicht immer leicht.

Doch das Recht auf Kommunikation hat theoretisch jeder Mensch. So steht es nicht zuletzt in einer von Österreich ratifizierten UN-Konvention.

"Lebenswerkzeuge"

LIFEtool hat sich das Ziel gesetzt, mit dem Einsatz von „Lebenswerkzeugen“ in Form von Assistierenden Technologien und der (Computer) Unterstützten Kommunikation die Lebensqualität und Selbstständigkeit für Menschen mit fehlender Lautsprache und Menschen mit körperlicher Behinderung sowie Menschen mit Lernbeeinträchtigung zu erhöhen.

Beratung ...

Es gibt eine Fülle an Hilfsmitteln, die bei der Kommunikation unterstützen. Technik kann helfen, aber nur dann, wenn sie sich dem Menschen und seinen individuellen Bedürfnissen anpasst. Und genau dafür sorgt das gemeinnützige Unternehmen LIFEtool mit Beratung und Geräten, die das Optimum finden und Wartezeiten überbrücken helfen.

... und Unterstützung

Es gibt keinen österreichweiten Rechtsanspruch auf Assistierende Technologien. Betroffene erhalten seit 2009 Unterstützung beim VERBUND-Empowerment Fund der Diakonie bis die Lücke in der Finanzierung geschlossen werden kann.

Am 21. Februar 2018 veranstaltet LIFEtool Wien ein Vernetzungstreffen der Technischen Assistenzen: "Arbeit(en) mit Behinderung - so geht's!"