Buchkritik "Genug gejammert"

Warum wir gerade jetzt ein starkes soziales Netz brauchen

Martin Schenk und Martin Schriebl-Rümmele gelingt es in ihrem Buch, die hohe Bedeutung sozialer Absicherung im Detail zu erklären.

08.01.2018
Buchcover "Genug gejammert", Ampuls Verlag

Die Autoren tragen damit dazu bei, soziale Leistungen auch in einem politisch skeptischen Umfeld abzusichern. Das ist derzeit besonders wichtig, weil in politischen Diskussionen unser Sozialsystem gerne krank geredet wird und die Solidarität schwindet.

Doch für einen Abbau des Sozialstaats gibt es keinerlei Grund, betonen die Autoren. Ganz im Gegenteil. Man sollte nur eventuelle Schwächen des Systems korrigieren und versuchen die Stärken zu optimieren, schlagen sie vor.

Sozialsystem als wesentliche Basis der Demokratie und der Wirtschaft

Das Sozialsystem schützt nicht nur bei Krankheit oder Jobverlust. Es ist auch eine wesentliche Basis der Demokratie und der Wirtschaft. Während beispielsweise in der Finanzkrise Exporte und Industrieinvestitionen gesunken sind, ist der Konsum wegen der guten sozialen Absicherung teilweise sogar gestiegen und hat die Wirtschaft belebt.

Es ist daher kein Wunder, dass Länder mit hohen Sozialstandards sich generell besser entwickeln. Das zeigen sämtliche Wirtschaftsindikatoren wie Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftswachstum und Armutsgefährdung. Armut ist besonders schwierig zu bewältigen. Wer am Limit lebt, den quälen beständig Sorgen, er oder sie wohnt häufig in feuchten, ungesunden Wohnungen und kann sich nicht gesund ernähren. Ein gut funktionierender Sozialstaat ist in der Lage die Lebensqualität dieser Menschen zu verbessern.

Besonders stark wirkt sich Armut auf Kinder aus

Die Kindersterblichkeit steigt und die Todesrate unter Teenagern nimmt zu. Unterstützung kommt von gemeinnützigen Organisationen. In Oberösterreich etwa stellt die Diakonie jungen Leuten Unterkunft in ihrer Notschlafstelle WAKI zur Verfügung und begleitet in 237 Schulen Kinder und Jugendliche im Alltag, die dringend Hilfe brauchen. 30.000 Kinder sind in Österreich auf die Unterstützung durch Jugendhilfe angewiesen.

Als perfekte Ergänzung zu diesen Fakten dient im neuen Buch ein Spiel, das häufig genutzte und meist falsch interpretierte Schlagworte und Begriffe rund um den Sozialstaat erklärt. Es zahlt sich aus, sich diese Begriffe einzuprägen – für den Fall, dass - wie so häufig - in einer Diskussion mit falschen Informationen argumentiert wird.

Leseprobe und mehr Informationen: www.genuggejammert.at

Genug gejammert
Warum wir gerade jetzt ein starkes soziales Netz brauchen.
Martin Schenk und Martin Schriebl-Rümmele
Mit Zeichnungen von Gerhard Haderer

Ampuls-Verlag

Mag. Martin Schenk ist Sozialexperte der Diakonie und Mitinitiator der Armutskonferenz.
Martin Schriebl-Rümmele ist mehrfach ausgezeichneter Gesundheits- und Wirtschaftsjournalist.