Von Gott und der Welt

Vorbild des Glaubens

Am 9.April vor 70 Jahren wurde Dietrich Bonhoeffer im KZ-Flossenburg erhängt. Vom Nazi-Regime wegen Hochverrats zum Tod verurteilt, gilt er heute nicht nur der Evangelischen Kirche als Heiliger, - als Vorbild des Glaubens.

10.04.2015
Ein Porträt von Diakonie Direktor Michael Chalupka (Foto: Luiza Puiu)
„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone". (Foto: Luiza Puiu)

Dietrich Bonhoeffer hat früh gegen das nationalsozialistische Terrorregime Stellung bezogen und seine eigene Kirche zu entschiedenerem Widerstand aufgerufen. Schon 1933 nennt er in einem Vortrag vor der Berliner Pfarrerschaft das Unrecht, das den Juden geschieht, beim Namen.

„Die Kirche ist den Opfern jeder Gesellschaftsordnung in unbedingter Weise verpflichtet, auch wenn sie nicht der christlichen Gemeinde angehören.“ Es sei Aufgabe der Kirche „nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen“.

Die Kirche ist den Opfer jeder Gesellschaftsordnung verpflichtet, seien sie Christinnen oder Nicht-Christen, auch wenn sie keine Europäer sind.

Dietrich Bonhoeffer ist auch heute ein notwendiges Vorbild des Glaubens. Immer noch wird unterschieden zwischen Opfern, die zu uns gehören und jenen, die uns wenig anzugehen scheinen. Werden Europäer zum Opfer, hält die Welt den Atem an, wenn allerdings wie unlängst 147 kenianische Studentinnen und Studenten Opfer von Gewalt und Terror werden, wird schnell zur Tagesordnung übergegangen. Tausende, die auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken, lösen nur Ratlosigkeit aus.

Der Satz Bonhoeffers heute müsste lauten: Die Kirche ist den Opfer jeder Gesellschaftsordnung verpflichtet, seien sie Christinnen oder Nicht-Christen, auch wenn sie keine Europäer sind.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".