Von Gott und der Welt

Von guten und falschen Hirten

An der Seite der Armen zu stehen, ist ein Auftrag für alle Christinnen und Christen.

18.11.2017
Für ein Leben in Würde. Für alle!

Papst Franziskus hat einen Welttag der Armen ausgerufen, der am morgigen Sonntag in den katholischen Kirchen gefeiert wird. An der Seite der Armen zu stehen, ist ein Auftrag für alle Christinnen und Christen. Der Schweizer Reformator Huldrych Zwingli hat das Wort Jesu „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid“ auf das Titelblatt aller seiner Schriften drucken lassen, quasi als Leitmotiv oder stete Erinnerung, als Vergewisserung, dass nicht vergessen werde, wer zu Jesus gerufen wird und wem wir alle an die Seite gestellt werden.

So sieht er im diakonischen Auftrag ein Unterscheidungsmerkmal für die richtige Ausübung des Pfarramts.

Die sich der Armen nicht annehmen, sondern zulassen, dass sie ausgebeutet und unterdrückt werden, sind falsche Hirten.

Zwingli und Franziskus stimmen da überein. Der Umgang mit Armut, Ausbeutung und Unterdrückung ist für die Kirche, für Pfarrerinnen und Pfarrer und für alle, die sich zu Jesus halten, eine Nagelprobe.

Fast zeitgleich mit dem Welttag der Armut findet in Göteborg ein Gipfel der Regierungschefs Europas statt, der sich seit 20 Jahren erstmals wieder mit der sozialen Säule des europäischen Hauses beschäftigt. Es ist wohl auch für die Chefs der Regierungen Europas eine Nagelprobe ihrer politischen Glaubwürdigkeit, ob sie sich der Armen annehmen oder zulassen, dass sie ausgebeutet und unterdrückt werden.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".