Von Gott und der Welt

Venedig – Stadt der Reformation

La Serenissima, das schöne ehrwürdige Venedig, wurde dieser Tage zur 75. Reformationsstadt Europas.

20.01.2017
Die Küste von Venedig (Foto: Pixabay)
Foto: Pixabay

Es ist erstaunlich, wie rasch sich die Ideen der Reformation in den Süden ausgebreitet haben. Ausschlaggebend dafür war, dass sich eine schnell wachsende Zahl von deutschen Kaufleuten zu Luther bekannten, die in der multinationalen Handelsmetropole ihren Sitz hatten. Wichtig war auch das mächtige Kloster der Augustiner-Eremiten, in dem 1519 ein gesamteuropäisches Generalkapitel des Ordens mit mehr als 1000 Delegierten aus ganz Europa stattfand, das den „Fall Luther“ durchaus kontrovers diskutierte.

Außerdem gelangte zur Zeit der Reformation der Buchdruck zur Blüte und machte evangelische Schriften einem breiten Publikum zugänglich. Schon um 1519 wurden sie heimlich unter der Budel der Buchhändler verkauft. 1532 erschien die erste Übersetzung der Bibel ins Italienische, sogar noch zwei Jahre vor der deutschen Lutherbibel.

Doch schließlich setzte sich die Inquisition in Venedig durch. Wenn von der Kirche jemand wegen Unglaubens zu Tode verurteilt wurde, wurde er den politischen Machthabern übergeben, damit sie das Todesurteil ausführten. Um Aufsehen zu vermeiden, wurden die Protestanten in der Nacht in der Lagune ertränkt.

Nunmehr trägt die schöne Stadt am Meer den Titel Reformationsstadt. Er erinnert an eine bewegte Geschichte und daran, dass blutige Auseinandersetzungen der Religion wegen Geschichte sein sollten.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".