Von Gott und der Welt

Unter dem Regenbogen

Autofahrer sollten morgen die Wiener Innenstadt meiden. Das Leben spielt sich auch der Straße ab. Menschen wollen ihrer Freude Ausdruck geben. Dazu gibt es mehrere Gelegenheiten.

18.06.2016
Regenbogenfahne, davor ein schwules Paar als Silhouette

Zum einen gibt es den „Marsch für Jesus“, bei dem die Veranstalter 15.000 Menschen erwarten, zum anderen gibt es die Regenbogenparade. Sie hat sich seit ihrer ersten Durchführung im Jahr 1996 nicht nur zum wichtigsten Event der Lesben-, Schwulen-, Bisexuellen- und Transgender-Bewegung entwickelt, sondern auch zu einem bedeutenden Symbol für eine Kultur der Solidarität, Akzeptanz und Gleichberechtigung.

Es werden zwei friedliche fröhliche Veranstaltungen sein. Was es nicht geben wird, obwohl manche das befürchten oder klammheimlich erhoffen mögen: eine Demonstration und eine Gegendemonstration. Denn bei beiden Festen wollen Menschen im öffentlichen Raum zeigen, dass sie für etwas sind. Die Christinnen und Christen unterschiedlichster Konfessionen wollen ihre Liebe zum großen Menschfreund Jesus ausdrücken, der selbst die Liebe ist, die alle Grenzen zwischen Menschen überwindet. Die Regenbogenparade feiert den leuchtenden Bogen der Vielfalt der Lebensentwürfe. Beides hat Platz in der schönen Wienerstadt. Schade ist nur, dass beide Veranstaltungen sich zeitlich überlappen. Frauen und Männer, Christinnen und Christen, die sich zur LGBT-Community rechnen, die an Beidem teilnehmen möchten, werden ein bisschen von beidem versäumen.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.