Von Gott und der Welt

Trotzige Zuversicht

„Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr“, so beginnt das wohl bekannteste Gedicht von Dietrich Bonhoeffer, dem evangelischen Theologen und Märtyrer des Widerstands gegen das Nazi-Regime. Er hat es kurz vor Jahresende 1944 in seiner Zelle in Berlin geschrieben.

31.12.2016
Ein Porträt von Diakonie Direktor Michael Chalupka (Foto: Luiza Puiu)
Diakonie-Direktor Michael Chalupka (Foto: Luiza Puiu)

Es war Teil eines Briefes an seine Verlobte Maria von Wedemeyer, in dem er um Lesestoff, Zigaretten und Unterhosen mit Gummibund bat, weil man ihm seine Hosenträger weggenommen hatte. „Es werden stille Tage in unseren Häusern sein. Aber ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, je stiller es um mich herum geworden ist, desto deutlicher habe ich die Verbindung mit Euch gespürt“, schreibt der 38-jährige Theologe an die 20-jährige Maria, bevor er ihr die Verse des Gedichtes aufschreibt, das ihm in der Nacht eingefallen ist. Da ahnte er wohl schon, dass seine Hinrichtung beschlossene Sache war. Trotz allem dieses Gottvertrauen und diese Zuversicht.

Sein Leben nicht von den Mächten des Bösen bestimmen zu lassen, sondern trotz des Schreckens den guten Mächten vertrauen zu können, das ist die bleibende Botschaft Dietrich Bonhoeffers.
Michael Chalupka, Diakonie-Direktor

Bischof Heinrich Bedford-Strohm, der Vorsitzende der EKD, hat angesichts des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt in Berlin zu „trotziger Zuversicht“ aufgerufen. Sein Leben nicht von den Mächten des Bösen bestimmen zu lassen, sondern trotz des Schreckens den guten Mächten vertrauen zu können, das ist die bleibende Botschaft Dietrich Bonhoeffers, mit der wir auch in diesen Tagen leben und in ein neues Jahr gehen können.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".