Von Gott und der Welt

Trotz DEM!

Eine Dolmetscherin lebt von ihrem Gedächtnis. Tausend Worte und Redewendungen sind dort abgespeichert. Simultandolmetscher können blitzschnell von einer Sprache in die andere umschalten. Das menschliche Gehirn ist zu erstaunlichen Leistungen fähig.

21.09.2013
Hände, die auf einem Tisch liegen (Foto: Diakoniewerk)
Im Alzheimer Cafe des Diakoniewerks können sich Angehörige Rat holen. (Foto: Diakoniewerk)

Helga Rohra war eine der besten in ihrem Beruf. Jetzt erzählt sie, sie hätte in den letzten Jahren die Erinnerung an die Sprachen, die sie einst so brillant beherrschte, verloren. Es sei, als ob der Text der Erinnerung auf einer dicht beschriebenen Tafel langsam von einem Schwamm gelöscht werde. 

Helga Rohra hat ein Buch geschrieben: „Aus dem Schatten treten - warum ich mich für unsere Rechte als Demenzbetroffene einsetze.“ Und sie betreibt auch eine Homepage. Auf der es heißt: Ich bin dement. Na und? Wir sind gewohnt, dass Menschen, wenn ihre Erinnerung schwindet auch aus dem öffentlichen Leben verschwinden, in ihren vier Wänden oder Pflegeinstitutionen betreut werden. Helga Rohra fordert hingegen die Rechte von Demenzerkrankten ein. „Wir haben Ressourcen und Ansprüche – trotz DEM.“

Heute ist Weltalzheimertag. Ein Tag, der die Aufmerksamkeit auf die Menschen richten soll, die an Demenz erkrankt sind. Doch diese Menschen dürfen nicht auf ihre Erkrankung reduziert werden. Mit dem Schwinden ihrer Erinnerungen verschwinden nicht ihre Lebensgeschichte und ihre Persönlichkeit. Wer sich über Demenz informieren will, der kann das im Internet tun. www.demenzinfo.at

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".