Von Gott und der Welt

Tragbare Heimat

"Hoamat ist für mich, wo man sich einfach richtig wohlfühlt und man nie allein gelassen wird", sagt Landeshauptmann Josef Pühringer in der Feiertagsausgabe der Oberösterreichkrone dieser Woche.

31.05.2014
Ein Porträt von Diakonie Direktor Michael Chalupka (Foto: Luiza Puiu)

Das ist eine gelungene Definition, denn sie lässt sich auf einen geographischen Ort beziehen, aber nicht darauf reduzieren. Heimat ist mehr als das Land der Geburt. Aus der geographischen Heimat kann man wegziehen oder vertrieben werden. Da kann sich Heimweh einstellen, Sehnsucht nach der alten Heimat. Einen Ort, wo man sich richtig wohlfühlt und an dem man nie alleingelassen wird, kann man aber auch finden. Heinrich Heine, der große deutsche Dichter, bezeichnete im Exil seine hebräische Bibel einmal als „portatives Vaterland", als „tragbare Heimat". Das Wort in der Bibel, das mit „Heimat“ übersetzt werden kann, hat drei verschiedene Bedeutungen; es heißt auch Ruhe und Freiheit. Im Psalm 23 heißt es:

Auf grünen Wiesen lässt Gott mich lagern, zu Wasser der Ruhe, der Heimat, leitet Gott mich sanft.
Psalm 23

Der Bibelwissenschafter Willi Schottroff meint, dieser Psalm sei ein Gebet, das im Tempel in Jerusalem von Menschen gebetet wurde, die dort Asyl vor Verfolgung gefunden hätten. Österreich wird weiteren 1000 syrischen Familien Asyl gewähren. Wir Österreicherinnen und Österreicher können uns freuen, wenn es gelingen wird, dass sie hier neue Heimat finden – einen Ort, wo man sich richtig wohlfühlt und nie alleingelassen wird.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.