Von Gott und der Welt

Steuersünder

Sind wir Österreicher ein Volk von Steuerhinterziehern? Unsere Regierung scheint das zu vermuten

14.03.2015
Eine alte Kassa (Foto: Pixabay)
Die Debatte um die Rechtmäßigkeit von Steuern ist alt. In der Bibel wird der Zehnte, werden Steuern als Mittel gesehen, einen sozialen Ausgleich herzustellen. (Foto: Pixabay)

Sie hat kein schönes Bild von vielen ihrer Bürger, sonst könnte sie nicht darauf vertrauen, einen Großteil der Steuerreform durch die Bekämpfung von Steuerbetrug und die Einführung der Registrierkassenpflicht hereinzubringen. Dass Steuerhinterziehung nicht länger als Kavaliersdelikt betrachtet wird, ist gut. Denn wer Steuern hinterzieht, enthält ja der Allgemeinheit seinen gerechten Anteil vor.

Die Debatte um die Rechtmäßigkeit von Steuern ist alt. In der Bibel wird der Zehnte, werden Steuern als Mittel gesehen, einen sozialen Ausgleich herzustellen. Den Witwen, Waisen und Armen soll etwas von dem Reichtum zurückgegeben werden, der einem von Gott geschenkt worden ist. Zum anderen wurde Steuerverschwendung kritisiert, wenn sie nur den Luxus der Könige finanziert hat. Steuerhinterziehung ist Diebstahl an der Gesellschaft. Und Diebstahl ist kein Kavaliersdelikt.

Steuerhinterziehung ist Diebstahl an der Gesellschaft. Und Diebstahl ist kein Kavaliersdelikt.

Was wäre aber, wenn die Österreicherinnen und Österreicher gar nicht so schlecht wären, wie die Regierung sie sieht? Wenn gar nicht so viele Betrüger und Steuerhinterzieher unter uns wohnen würden, wie gedacht? Ja, dann wären wir ein Land, bewohnt von loyalen, gutgesinnten, braven Bürgerinnen und Bürgern, und unsere Regierung wäre um die Hoffnung ärmer, 1,9 Milliarden Euro der Steuerreform aus der Bekämpfung des Steuerbetrugs finanzieren zu können.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".