Berlinerinnen unterstützen Familien und Kinder mit Migrationshintergrund

Stadtteilmütter in Berlin

Hunderte Berlinerinnen sind dem Aufruf der Diakonie bereits gefolgt und setzen sich als Stadtteilmütter für Familien und Kinder mit Migrationshintergrund ein. Sie arbeiten unermüdlich daran, Kinder aus der sozialen Isolation zu holen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen.

09.01.2016
Lernbetreuung bei INTO Wien (Foto: ©Nadja Meister/Diakonie Flüchtlingsdienst)
Stadtteilmütter betreuen Familien

Nurhayat Skrotzké ist Berlinerin. Sie kam 1972 aus der Türkei nach Deutschland. Im vergangenen Jahr hat sie eine Ausbildung zur "Stadtteilmutter" absolviert und unterstützt nun sozial schwache Familien mit Migrationshintergrund.

Begegnung auf Augenhöhe

"Die Ausbildung umfasst elf Module. Wie man sich gesund ernährt, gehört ebenso dazu, wie die Themen Sprachförderung und Zeitmanagement", erklärt Ulrike Koch, die Leiterin des Projekts im Diakonischen Werk Berlin Stadtmitte. Doch das größte Plus der Stadtteilmütter ist ihre Herkunft. Viele stammen aus der Türkei, aus dem Iran oder dem Irak. "Sie sprechen nicht nur die Sprache der Familien, die Unterstützung brauchen, sie begegnen diesen auch auf Augenhöhe", sagt Koch.

Hilfe für 10.000 Kinder

Mehrere hundert Stadtteilmütter wurden in den vergangenen Jahren in Berlin ausgebildet. Allein in Berlin-Neukölln haben sich bisher 4.000 überwiegend türkische und arabische Familien mit mehr als 10.000 Kindern von den Stadtteilmüttern beraten und helfen lassen.

"Sie vertrauen uns mehr als deutschen Ämtern", sagt auch Skrotzké nicht ohne Stolz. Viele Familien hat sie schon betreut - und hat dort zunächst schwierige Zustände erlebt. „Der Fernseher läuft den ganzen Tag, die Kinder ernähren sich hauptsächlich von Fastfood.“

"Du musst am Leben teilnehmen!"

Dann versuche sie den Müttern klarzumachen: "Du musst raus, du musst für dein Kind am Leben teilnehmen." Es sei erschreckend, welche Antworten sie manchmal bekommen habe, sagt Skrotzké: "Ich weiß nicht, wohin ich gehen soll, ich kenne niemanden." Und das von Frauen, die zum Teil seit zehn Jahren in Berlin leben.

"Diese Isolation wollen und können die Stadtteilmütter aufbrechen", sagt Projektleiterin Koch. In den meisten Fällen haben sie Erfolg, weil die betroffenen Frauen die Stadtteilmütter als eine von ihnen akzeptieren. Skrotzké, selbst Mutter von drei Kindern, beschreibt ihr eigenes Credo und das ihrer Kolleginnen so: "Wir wollen uns nicht einmischen oder alles besser wissen. Unser wichtigstes Ziel ist es, Kindern Unterstützung zu geben."

Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Best Practice - Diakonie in Europa"