Von Gott und der Welt

Spaßbremsen und Neidhammel

Sündigen kann Spaß machen. Das gilt vor allem für die Todsünden. Wollust, Völlerei, ja sogar die Trägheit, - sie klingen schon nach Abenteuer, Vergnügen und Entspannung. Einzig der Neid fällt aus der Reihe. „Unter den sieben Todsünden ist der Neid die einzige, die überhaupt keinen Spaß macht“, erklärt der US-Essayist Joseph Epstein in seinem Büchlein „Neid. Die böseste Todsünde“.

31.07.2015
zwei Gesichter, die zeigen: Gönnen macht froh, Missgunst macht unglücklich

Nun hat allerdings unser Finanzminister bei einem Sommergespräch im „Standard“ gemeint:

Neid muss man sich erarbeiten, Mitleid wird einem geschenkt.

Wieso aber sollte man sich eine Sünde erarbeiten können, noch dazu eine, die ein anderer begehen soll und die obendrein keinen Spaß macht?

Finanzminister Schelling ist dieser Satz eingefallen, als er über arbeitslose Einkommen und niedere Löhne räsonierte und über eine Neidgesellschaft, zu der wir uns angeblich entwickelt hätten. Der Begriff Neidgesellschaft wir immer dann ins Spiel gebracht, wenn Menschen, die wenig verdienen, mehr Lohn bekommen sollen, oder wenn darüber diskutiert wird, dass Reiche mehr von ihrem Reichtum für den sozialen Ausgleich abgeben sollen.

Es geht also gar nicht darum, sich die Sünde des Neids anderer zu verdienen, sondern eher darum, sie der Sünde des Neids zu bezichtigen auch wenn sie berechtigte Anliegen haben, und sie darüber hinaus noch als Spaßbremsen bloßzustellen, „die Neidhammel“, die auch gerne einen gerechten Anteil am gesellschaftlichen Reichtum hätten.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.