Von Gott und der Welt

Sonntagsruhe

Am siebenten Tage ruhte Gott. So steht es im Schöpfungsbericht. „Du sollst den Feiertag heiligen“, steht in den zehn Geboten. An einem Tag in der Woche soll der Kreislauf der Betriebsamkeit, der Hektik, des Kaufens und Verkaufens unterbrochen sein. In der christlichen Tradition ist es der Sonntag, der zur Besinnung einlädt und Gemeinschaft ermöglicht.

17.07.2015
geschlossene Türe mit Schild: sorry we are closed
Das Recht, den Sonntag zu heiligen, muss man sich scheint’s leisten können.

Geht es nach dem Wirtschaftsminister bleibt das auch so. „Wir wollen keine Ladenöffnung. Das steht nicht zur Diskussion“, versprach Minister Mitterlehner. Er erinnerte im Parlament daran, dass längere Ladenöffnungszeiten nicht mehr Kaufkraft bringen, sondern lediglich eine zeitliche Verschiebung der Kaufkraft. Nur große Konzerne würden profitieren. Der Sonntag bleibt also frei. Zumindest in Österreich.

Griechenland aber wird auch von der österreichischen Regierung aufgetragen, am Sonntag die Geschäfte aufzusperren. Das Recht, den Sonntag zu heiligen, muss man sich scheint’s leisten können. Sollen „die Griechen“ ruhig auch am Sonntag arbeiten, mag sich mancher denken. Doch dabei wird es nicht bleiben. Der von österreichischen Banken und Konzernen finanzierte Verein „Agenda Austria“ schreibt etwa: „Die von Griechenland geforderte Freigabe der Öffnungszeiten an Sonntagen ist hierzulande überfällig.“

Unsere Regierung kommt in Argumentationsnotstand, denn sie hat die goldene Regel gebrochen

Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.