Welttag der Menschen mit Behinderung

Serbien: Von den Lippen gelesen

Zum Start unserer Serie "Best of Europe", die sich mit Pilotprojekten der Diakonie in ganz Europa beschäftigt, berichten wir von der Ecumenical Humanitarian Organisation (EHO) in Serbien. Das Engagement der Mitarbeiter und das breite Tätigkeitsspektrum der Organisation zeigen, wie Inklusion von Menschen mit Behinderung gelingen kann.

01.01.2016
Bojana, Mitarbeiterin bei EHO, unterrichtet in Novi Sad Menschen in Gebärdensprache.
Bojana, Mitarbeiterin bei EHO, unterrichtet in Novi Sad Menschen in Gebärdensprache.

Best Practice

Best Practice bedeutet: Vorzeigen, wie etwas besser geht. Mit diesem Vorsatz werden wir Ihnen im kommenden Monat wöchentlich ein Diakonie-Projekt vorstellen, das eine Vorreiterrolle auf seinem Gebiet einnimmt. Wir schauen dabei über die Grenzen in viele Europäische Länder. Unsere Reise beginnt heute in Serbien...

Chancen für Bojana

Bojana ist 30 Jahre alt und gehörlos. Als Frühchen verlor sie infolge von Sauerstoffmangel 80 Prozent ihres Gehörs. Nach der Sonderschule besuchte sie in Belgrad eine Realschule und machte eine Ausbildung als Buchbinderin. Diese Bildungskarriere im Bereich Handwerk ist sehr häufig für Menschen mit einer Hörbehinderung. Nur selten können gehörlose Menschen in Serbien höhere Ausbildungen machen, auch aufgrund der oft fehlenden Hilfsmittel.

EHO - Ein Projekt mit breitem Wirkungsspektrum

Mittlerweile ist Bojana seit 5 Jahren bei EHO (Ecumenical Humanitarian Organisation) beschäftigt, einer Diakonie-Organisation in Novi Sad. Sie ist als Projektassistentin beim Ressourcen-Zentrum für Menschen mit Behinderungen fix angestellt. Dabei arbeitet sie auch in der Beratung und Unterstützung für Klientinnen und Klienten oder unterrichtet in Gebärdensprache.

EHO ist es grundsätzlich sehr wichtig, zu einer zivilgesellschaftlichen Bewegung beizutragen. Außerdem stärkt die Organisation Friedensarbeit und die Vermittlung zwischen ethnischen und religiösen Gemeinschaften. Dies drückt sich in den unterschiedlichen Arbeitsfeldern von EHO aus. Das Engagement reicht von der Armutsvermeidung, über die Arbeit mit Menschen im Alter, Menschen auf der Flucht bis hin zu Menschen mit Behinderungen.

Inklusion als erklärtes Ziel

Im Ressourcen-Zentrum, das seit 2002 existiert und wo auch Bojana tätig ist, sollen Grundsteine für die Inklusion gelegt werden. Weil EHO eine der wenigen Behindertenorganisationen in der Vojvodina ist, ist das Spektrum der Leistungen sehr breit, und reicht von Qualifizierungsmaßnahmen, allen voran im Bereich der Computer-Kenntnisse, über Informationsaustausch bis hin zu Advocacy-Maßnahmen. Im eigenen Computer-Raum ist es möglich, mit Assistierenden Technologien in Berührung zu kommen. Ziel ist es, dass 100 Menschen mit Hilfe von elektronischen Hilfsmitteln aktiv am Erwerbsprozess teilnehmen können.

Bojana hat den Einstieg in die Arbeitswelt geschafft. Durch ihre Arbeit hat sie auch die Fertigkeit des Lippenlesens erlernt. Dadurch hat sie Kontakt mit zahlreichen Menschen, die der Gebärdensprache nicht mächtig sind. Dies steigert ihre Selbstbestimmung, und zeigt, dass Integration am Arbeitsmarkt nicht ausreicht - Inklusion muss in allen Lebenslagen ermöglicht werden.

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