Von Gott und der Welt

Schwitzen für die Schule

Das Wochenende wird noch heiß. Doch dann geht’s ins Paradies. Die Schule beginnt wieder.

03.09.2016
zwei spielende Mädchen
Für die Diakonie hat Bildung einen hohen Stellenwert. Sie soll jedem Kind Chancen für eine bestmögliche Entwicklung bieten. (Bild: Wieser)

Für den Begleiter Martin Luthers, den großen Humanisten Philipp Melanchthon, einen begnadeten Pädagogen, war die Schule ein Paradies. In seiner „Rede vom Lob des schulischen Lebens“ vergleicht er die Schule mit dem Leben vor der Vertreibung aus dem Paradies:

Was wäre denn nämlich das menschliche Leben anderes gewesen als eine fröhliche Schule, in der die Älteren und Besseren ihre Mitmenschen über religiöse und naturwissenschaftliche Fragen, die Unsterblichkeit der menschlichen Seele, die Himmelsbewegungen und die Obliegenheiten des Lebens belehrt hätten. Das Abbild dieses überaus glücklichen Zustandes ist das schulische Leben.

Dabei ist Melanchthon kein naiver Romantiker, sondern Praktiker. Er weiß um die Mühen der Schule. In der „Rede von den Leiden der Lehrer“ erklärt er: „Niemand scheint mir übler daran zu sein als diese Klasse von Leuten.“ Und an anderer Stelle schreibt er, der ja selbst Lehrer war: „Wir schwitzen heftig für die Schulen.“

Schule kann also ein fröhliches Paradies sein, ist aber ohne Schweiß nicht zu haben.
 „Wir schwitzen heftig für die Schule!“ wäre ein schöner Leitsatz für den Schulbeginn – für Lehrerinnen und Lehrer, Lernende und Bildungspolitikerinnen, wenn er dazu führt, dass die Schule als „überaus glücklicher Zustand“, als geradezu paradiesischer Ort des Lehrens und Lernen erlebt werden kann.

„Von Gott und der Welt"

Die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.