Von Gott und der Welt

Schweigen

Gedenken an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren

28.06.2014
Friedhof mit Gräbern von Soldaten, die im ersten Weltkrieg gefallen sind.
Gedenken an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren

„Das Töten ist in diesem Falle keine Sünde, sondern Dienst am Vaterlande, eine Pflicht, ja ein Gottesdienst! Es ist ein Gottesdienst und eine heilige Pflicht, alle unsre Gegner mit furchtbarer Gewalt zu strafen und wenn es sein muß, zu vernichten!"

Das ist kein Zitat eines radikalen, islamistischen Predigers und Alkaidakämpfers, sondern ein Satz, den Karl Kraus den protestantischen Superintendenten Falke im Theaterstück „Die letzten Tage der Menschheit" sagen läßt.

Erst vorgestern gedachten die Regierungschefs der EU in Yppern in Flandern der millionenfachen Opfer des Ersten Weltkriegs. Nicht nur die Politik hat versagt, auch die Kirchen hatten den Kriegsausbruch überwiegend begrüßt und den Kriegseintritt als „gerechten Krieg" theologisch legitimiert. Stimmen, die zum Frieden mahnten, seien überhört worden, stellte die GEKE, die Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa, dieser Tage fest. Deshalb ruft der Generalsekretär der GEKE, Bischof Michael Bünker, zu einer Schweigeminute auf:

Die Dimension des Grauens macht nach wie vor sprachlos. So könnte ein angemessenes Zeichen europäischen Erinnerns ein Moment des Schweigens sein: In ganz Europa schweigen Leben und Arbeit am 1. August 2014 um 12 Uhr für eine Minute.
Bischof Michael Bünker

Aus dem Zeichen der Reue und Erinnerung könnte ein Zeichen der Hoffnung werden, schwiegen bis dahin auch die Waffen in der Ukraine und fürderhin auf ewig in ganz Europa.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.